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Qu’est-ce qu’un Vin Bio? Michaela Loidl zu den neuen EU-Regeln

Zum Thema Biowein / Ökologischer Weinbau und den neuen EU-Bestimmungen schreibt uns auch Michaela Loidl von Bio-Wein-Online aus Ramsau am Dachstein einen Diskussionsbeitrag als Gastartikel.
Michaela betreibt einen Weinhandel für Bioweine in 
in der Steiermark und bloggt rund um das Thema hier.

Die Fragen zum Thema Biowein & Öko-Weinbau stellten wir bereits hier im Blog und die News zu den neuen EU-Regeln gibt es hier.

Biowein – streng genommen gibt es ihn (noch nicht). Bisher haben unsere Winzer laut gesetzlicher Grundlage lediglich Wein aus Trauben aus biologischen Anbau erzeugt. Mit der Ernte 2012 werden die ersten richtigen „Bioweine“ auf den Markt  kommen.

Was steckt dahinter, nur Wortklauberei?!

Nein, erstmals hat die EU Richtlinien für die Arbeit im Weinkeller festgelegt. Diese legen fest wie stark Biowein im Keller beeinflusst werden darf. Unter uns, da ist einiges möglich. Zum einen wären da die hohen erlaubten Sulfitwerte, welche wohl zu den heftigsten Diskussionen führen werden. Zum andern Enzyme, Gummi Arabicum, Eichenchips, uvm. …
Sehr seltsam mutet auch an das eine Eiweißschönung oder eine Behandlung mit Gelantine nur dann mit biologischen Ausgangsprodukten geschehen muss wenn diese auch erhältlich sind, ansonsten dürfen hier Hilfsmittel aus konventioneller Herstellung verwendet werden. Da ist mir der EU-weite Mangel an Hühnern und Schweinen wohl entgangen.

Im Grunde ändern diese Richtlinien der EU nichts am aktuellen Stand und der Problematik von Biowein.  Natürlich waren Standards für den Keller längst überfällig. Für den Konsumenten wird dadurch nichts leichter, weiterhin wird ihm unter  dem Begriff „Bio“ alles untergejubelt. Von der Industrieware bis zum handwerklich hergestellten Wein ist für die EU Richtlinie in Bio alles drin. Der Begriff „Bio“ wird noch weiter ausgelaugt und Biowein noch weniger wert. Schade.

„Bio“ allein sagt noch lange nichts über die Güte eines Produktes aus. Die Bandbreite an Stilen und Qualitäten sind ebenso vielfältig wie im konventionellen Bereich. Genau diese Undurchsichtigkeit am Bio-Weinmarkt hat mich zu meinem Shop bewogen, denn für mich als Kunde und Händlerin gehört viel mehr dazu. Ein Biozertifikat ist sozusagen die Mindestanforderung, doch die Ansprüche sind viel höher. Eine handwerkliche Arbeit gehört dazu, ein sorgfältiger Umgang mit den Ressourcen, aber am wichtigsten ist für mich die Arbeit im Keller. Eine Weinbereitung die auf der Kunst des Weglassens basiert, nicht auf dem Hinzufügen . Ein Hauch dolce far niente sozusagen, wie heißt es so schön, man muss viel wissen um wenig zu tun.

Ist Bio mehr als ökologischer Weinbau?

Für mich ist es das gleiche (oder doch das selbe?), auch der Gesetzgeber unterscheidet meines Wissens nach nicht zwischen biologischen und ökologischen Weinbau. Die Images sind jedoch wohl grundverschieden. „öko“ gilt oft als verstaubt und lässt Assoziationen von Jutesäcken (nicht das diese schlecht wären;)) aufkommen. „Bio“ hingegen gilt  als modern, bewusst, vielleicht sogar trendy.

Wie sieht es mit der Ökobilanz aus?

Eine Ökobilanz, bzw. ein ökologischer Fußabdruck für jedes Produkt wäre natürlich sehr wünschenswert. Der Kunde sollte sich seiner Verantwortung bewusst werden, er hat die Möglichkeit grundlegendes zu verändern und das mit jedem Einkauf. Leider sind viele Konsumenten leicht geblendet von Schlagwörtern wie „Nachhaltigkeit“ und eben auch „bio“.

So what’s Bio?

Leider nicht viel. Dem bewussten Konsumenten bleibt es nicht erspart sich einige Grundkenntnisse über Siegel und Labels anzueignen, sich in seiner Region umzusehen, Produzenten und Händler finden die die gleiche Auffassung wie er haben. Und das ist den meisten schon zu umständlich, wenn im Supermarkt und Discounter „Bio“ immer in der gleichbleibenden (aber welchen?) Qualität erhältlich ist.

Zwei Wege in der Bioweinproduktion?

Definitiv. Spritzmittel die im Bioweinbau zugelassen sind können wie konventionelle präventiv ausgebracht werden oder der Winzer ist täglich im Weingarten, beobachtet kleinste Veränderungen, stärkt die Pflanze im Vorfeld. Das führt aber auch immer wieder zu Ernteausfällen, dass muss man sich nicht nur leisten wollen sondern auch können.

Die Schere geht im Weinkeller noch weiter auseinander. Es gibt nicht vieles, was nicht erlaubt ist. Schönungen und Stabilisierungen werden immer dann unerlässlich, wenn der Wein nicht die Zeit hat, natürlich Wein zu werden. Und das bringt uns zu einem wesentlichen und dem wichtigsten Unterschied – dem Geschmack. Ein Wein der seine Zeit bekommt und nach ein bis drei Jahren auf den Markt kommt, schmeckt natürlich ganz anders als einer, der innerhalb des ersten Jahres abgefüllt wird.
Diese grundsätzlichen zwei Varianten sind daher schon richtig, denn beide haben ihren Markt, ihre Liebhaber.

Bio ist ein weites Feld, aber wie weit muss Bio gehen?

Ironischerweise ist es gerade ein Discounter der es sehr werbewirksam auf den Punkt bringt wie weit Bio gehen muss: Zurück zum Ursprung. Das bedeutet nicht das wir oxidative Weine aus Amphoren trinken müssen, nein, dort draußen gibt es eine Vielzahl an qualitätsbewussten Weinbauern für die Bio mehr als eine Variante zur Absatzsteigerung ist. Esoteriker und Romantiker habe ich noch kaum unter Ihnen getroffen, knallhart kalkulierende Geschäftsleute allerdings auch nicht. Denn wenn man Bio lebt, bleibt nicht mehr viel Platz für Kompromisse.

Michaela Loidl

 

Weitere Links rund ums Thema

bei Baccantus:

Und anderswo (egl./frz.):

2 Kommentare

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