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Mémoire & Friends 2011 in Zürich

Swiss Wine Connection

140 Spitzenproduzenten präsentierten sich am 29. August 2011 im Kongresshaus in Zürich. Unter dem Patronat von Mémoire des Vins Suisses zeigte die Veranstaltung der Swiss wine Connection einmal mehr, wo in Sachen Wein qualitätsmäßig made in Switzerland die Reise hingeht.

Die Fünfte Weinschweiz wurde als Sonderschau vorgestellt: Achtzehn Schweizer prominente Spitzenproduzenten aus Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Ungarn und aus den USA zeigten ihre Weine, darunter Brancaia, Bindella und Triacca aus Italien, Quinta das Marias vom Dao oder die Domaine des Enfants und Mas du Soleilla aus dem Languedoc-Roussillon.

An den Kollektivständen zeigte der Branchenverband Deutschschweizer Wein die mit Gold ausgezeichneten Weine, an einem weiteren präsentierte sich die Junge Schweiz – Neue Winzer, von denen einige aber auch an eigenen Ständen anstellten.
So waren aus dem benachbarten Thurgau etwa Martin Wolfer / Wolferwein aus Weinfelden sowie Urs Hausammann vom Weingut Iselisberg, Uesslingen anwesend.

Führende Winzervereinigungen und unabhängige Erzeuger aus den sechs Weinbauregionen Wallis, Waadt, Genf, Drei-Seen-Region, Deutschschweiz und Tessin waren persönlich anwesend und zeigten ihr aktuelles Sortiment mit ausgiebiger Verkostungsmöglichkeit.

An vielen der Stände ging es heiss her, was nicht nur der Temperatur im Kongresshaus geschuldet war, die die Aussentemperatur um etliche Grade überstieg.

Nach persönlicher Einschätzung schienen sowohl viele Profis, insbesondere Weinhändler aus der ganzen Schweiz die Veranstaltung zu besuchen, als auch private Genießer aus Zürich und Umgebung.
Für mich eine wunderbare Gelegenheit, neue Jahrgänge von bekannten Winzern zu verkosten sowie Neues jenseits der ausgetretenen Pfade zu entdecken.

Domaine la Colombe, Féchy, Waadt

Der Schwerpunkt des zweitgrößten Weinbaukantons der Schweiz, dem Waadt (Vaud) ist natürlich der Chasselas. In der AOC Féchy hat die Domaine la Colombe ihre Rebhänge in der Waadtländer Côte, unweit des Genfersees.
Alle Chasselas, vom Petit Clos über den Brez zur Assemblage Sélection Frédy Girardet mit einem Anteil Doral, sind von klarer Frische und einer bemerkenswert aromatischen Struktur. Schlank und frisch sollen sie sein, so der Winzer. Der Pinot Gris Réserve von 2009 kommt ebenso komplex und aromatisch daher wie die Chasselas-Weine des Betriebs, schöne Aromen von Quitte und Akazienhonig werden von einer eleganten frischen Säure begleitet, die in einem merklichen Nachklang endet.
Ganz großes Gaumenkino: der Amédée VI 2009.  In dieser großen Weißen Assemblage werden Savagnin (Heida), Chardonnay, Doral und Chasselas zu einer wunderschönen Einheit verschmolzen, wobei der Schwerpunkt auf dem Heida liegt. Seine eigentliche Verbreitung im Wallis und als Savagnin im frz. Jura mag die traditionellere sein, hier wird sie jedenfalls als Cuvée zu einem eigenständigen und vielschichtigen Weinensemble, welches ich gerne in ein paar Jahren als gereiftere Variante nochmals probieren möchte.

Wolferwein, Weinfelden, Thurgau

Schon der Müller-Thurgau 2010 von Martin Wolfer überzeugt mit schöner Frische und klarer Struktur, duftige Harmonie fernab von jeder klebrigen Belanglosigkeit, die sich anderorts leider immer noch oft im „Müller“ findet.
Der Pinot Gris ist ebenfalls ein rühmlicher Vertreter seiner Gattung, frisch, elegant und fast burgundisch anmutend kommt er mit schönen Honig und Pfirsichtönen daher. Der teilweise Ausbau in Barriques stützt eine gut angelegte Struktur, ohne dabei zu vordergründig zu sein.

Der Pinot Noir Grand Vin 2009 zeigt einmal mehr, dass große Pinots nicht nur im Wallis und der Bündner Herrschaft entstehen können. 12 Monate im Barrique, wunderbar dicht gewebte Textur ohne Monstrosität oder allzu üppige Frucht.

Weingut Donatsch, Malans

Der Malanser Betrieb Donatsch zeigt sich auch weiterhin gut aufgestellt. Mich überzeugten die Chardonnays ebenso wie die Pinot Noirs, wobei mir schon die treffend als „burgundischer Terroir-Typ“ beschriebenen Passion-Serie sehr gut gefielen. Leider war der Completer nicht mit on Tour, da der 09er ausverkauft ist… aber wie mir der junge Winzer Martin Donatsch erzählte, hat das Gut die Rebfläche mit dieser wunderbaren, uralten autochthonen Sorte erweitert…
Martin Donatsch den Weltmeistertitel mit dem Pinot Noir «Passion» 2006, 2007 und 2008 erstmals nach Graubünden bringen kann.

 Schloss Salenegg, Mayenfeld

Das Traditionsweingut aus der Bündner Herrschaft zeigt sich mit nur vier angestellten Weinen sehr aufgeräumt. Kellermeister Bernhard Wyler zeigt schon beim „kleinen“ Blauburgunder traditionell «Schloss Salenegg» 2009, was er unter Tradition versteht – erdig, würzig, langlebig, nichts für den schnellen Genuss, ein Wein, der Zeit braucht und der ohne überbordende Fruchtopulenz auskommt.

Ganz groß auch der Pinot Noir Barrique 2008, der schon dem Namen nach sich am Burgundischen Typ orientiert, oder der Chardonnay Barrique 2009, der kräftig, aber nicht fett daher kommt und der sicher noch ein Weilchen reifen darf, aber schon jetzt mit eleganter Frucht und feiner Säure zeigt, was in Sachen Chardonnay auch in Graubünden möglich ist. Einer meiner persönlichen Favoriten.

Weingut Familie Handsruedi Adank, Fläsch, Bündner Herrschaft

Gerade mal 6 ha Rebfläche reichten Hansruedi Adank, um im Laufe der letzten Jahre sein Gut in die Spitze der Pinoterzeuger der Schweiz zu führen.  Der Schwerpunkt liegt auf den wirklich grandiosen Fläscher Pinot Noirs, allen voran der PN Barrique 09, mit einer rigorosen Ertragsreduzierung und 12 Monate Ausbau in verschiedenen Barriques aus Troncais-, Never- und Allier-Eiche. Man merkt, dass Hansruedi sich intensiv mit der Materie befasst hat und sie beherrscht – das richtige Fass zum richtigen Wein, keine Dogmatik sondern „es muss halt passen, so wie der Wein jedes Jahr etwas anders wird“.
Nicht vergessen sollte man allerdings auch den Weißen und Grauen Burgunder sowie den exzellenten Chardonnay 2009. Kräftiger Duft nach reifen gelben Früchten, schöne Mineralität, mineralisch, druckvoll am Gaumen bei passend wohldosiertem Holzeinsatz.

Château Laquirou

Ein Schweizer Paar in der AOC La Clape? Genau. Im Languedoc bei Narbonne im La Clape Massif gelegen war einer der „Schweizer Exilweingüter“, die firmierend unter „Die fünfte Weinschweiz“ als Sonderschau ausstellten.
Erika und Eckard Hug-Harke betreiben mit Musik Hug übrigens eines der renommiertesten Musikhäuser der Schweiz.
Bereits im Frühsommer konnte ich in der malerischen Markthalle von Narbonne  den damals noch recht frisch gefüllten Albus 2010 kosten und war recht angetan. Umso freudiger überrascht war ich, als ich das Château hier als Aussteller entdeckte.

Der Albus überzeugt als würzig frische weiße Assemblage aus Bourboulenc, Roussanne und Grenache Blanc. Frische Limetten, weiße Blüten, etwas Kräuter. Perfekter Begleiter zu Meeresfrüchten und Fisch, aber auch zu Wurst & Schinken. (wer mal nach Narbonne kommt – unbedingt die Pata Negra & Iberico-Teller versuchen, weine aus dem ganzen Languedoc gibt es dazu zu verkosten!)
Überzeugend auch der Roxane 09 aus den gleichen Rebsorten, allerdings mit anderem Verhältnis und im Barrique ausgebaut. „Das gleiche in Holz“ trifft es nicht, trotz Verwandtschaft steht er eigenständig in seiner Stilistik neben dem Albus.

In Rot gefielen neben Champs Rouge und dem Syrah-betonten Ausines vor allem der Aureus aus Syrah, Grenache und Carignan als neue Cuvée.

Kleines Fazit in Stichworten:

Eine Veranstaltung auf höchstem Weinniveau. Viel zu wenig Zeit, nächstens mit Chauffeur anreisen, zu warm im Kongresszentrum. Neben den Schweizerischen Klassikern, also feinen Pinot Noirs aus dem Wallis und Bündner Herrschaft oder Chasselas aus dem Waadtland viele herausragende Chardonnays aus verschiedenen Kantonen. Auch in anderen Kantonen werden überdurchschnittliche PNs erzeugt, Thurgau, Schaffhausen… Autochthone Spezialitäten sind eine Stärke, die es gegen Allerweltssorten wie dem Chardonnay auszuspielen gilt, was vielerorts gelingt.
Die Weinschweiz rockt, auch außerhalb der Eidgenossenschaft.
Wir kommen gerne wieder! 🙂

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