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Lemberger, Riesling und Pinot Noir – das Weingut Lassak im Interview

Über die Weine des Weingutes Lassak aus Hessigheim wurde zuletzt häufiger auf Facebook gesprochen. Und manchmal ist Social Media & Social Wine schon spannend, vor allem dann, wenn man die realen Menschen – und natürlich deren Weine – kennen lernt und die Region kennt. Früher bin ich gerne zum Klettern in die Hessigheimer Felsengärten im Landkreis Ludwigsburg gefahren, von denen man auf die Weinberge in der Neckarkurve schaut. Die steilen terrassierten Lagen an Neckar und Enz sind geprägt von den Weinen der bekannten Felsengartenkellerei eG Besigheim.

Ein neues, ambitioniertes Weingut in konservativer Umgebung, 2016 gegründet?
Schlank, herkunftsbezogen, kein vordergründiger Holzeinsatz und Überextraktion?
Ausschließlich mit Riesling, Lemberger und Spätburgunder?
Umstellung auf biologischen Anbau?

Das hat mich neugierig gemacht – also einfach direkt nachgefragt bei Stefanie & Fabian:

Das Weingut Lassak im Interview.

Weingut Lassak, Blick auf den Neckar durch die Weinberge

Lemberger, Riesling und Pinot Noir.

Das sind sicher gerade auch aus dem Ländle die wohl spannendsten und vielversprechendsten Rebsorten. Aber hadert man als junge Winzergeneration mit dem Image von Trollinger aus der Literflasche im Henkelbecher und dass man Qualität hier oft erklären muss?

Das Image von Württemberg ist gerade nicht das beste.

Wir als junges Weingut erfahren dies gerade immer wieder. Trollinger, hohe Erträge und mit Süßreserve versetzte Weine sind leider der Alltag und sicher die Hauptgründe für das schlechte Image. Es ist traurig zu sehen, wie der Weinbau in Württemberg durch die genossenschaftliche Prägung immer mehr industrialisiert wird. Dieses „Industrieprodukt“ Wein landet letztendlich in der Literflasche im Discounter und trägt nicht gerade zur Reputation der Region bei.

Wir sehen in unserer Region mit ihren vom Muschelkalk geprägten Lagen ein großes Potential.

Wir sind davon überzeugt, dass hier Weine mit Herkunftscharakter entstehen können. Für uns stand von Anfang an fest, dass wir ausschließlich mit Riesling, Lemberger und Spätburgunder arbeiten möchten, welche als traditionelle Rebsorten unserer Region zählen. Jede dieser Rebsorten ist in der Lage, ihre Herkunft im Wein wiederzugeben. Da wir hier äußerst spannende Muschelkalk-Böden haben, hat es uns sehr gereizt mit diesen Sorten zu arbeiten. Wir setzen bewusst nicht auf die internationalen Rebsorten wie Cabernet oder Merlot…
Mit unseren Weinen müssen wir sehr viel Aufklärungsarbeit leisten und gegen die Vorurteile von württembergischem Wein ankämpfen. Umso mehr freut es uns, wenn wir Menschen mit unserer Idee und vor allem unseren Weinen begeistern können.


Das Weingut Lassak im Interview - die Weine

Unserer Meinung nach hat Württemberg das Problem, dass uns der Fokus fehlt.

Es wird viel zu viel Verschiedenes angebaut. Für was stehen wir eigentlich, womit können wir uns identifizieren? Hier in Hessigheim haben wir das große Glück, dass ein Großteil der Rebfläche von Rebflurbereinigungen verschont blieb. Genau auf diese Flächen konzentrieren wir uns. Hier haben wir nur sehr schwach verwitterte Oberböden von teilweise nur 50cm Bodenauflage. Darunter befindet sich massiver Muschelkalk. Darauf stehen unsere alten Rieslinge (35-55 Jahre) und Lemberger (30-45 Jahre). Unsere Spätburgunder sind leider alle noch sehr jung. Unsere neu gepflanzte Pinot-Anlage haben wir mit 10.000 Reben/Ha bestockt. Wir pflanzen auch keine reine Klonenselektion mehr aus, sondern nur noch Massenselektionen (Selection Massale). Für den Pinot haben wir die selection massale „très fin“ aus dem Burgund gepflanzt, bei unserer neuen Riesling-Anlage eine Massenselektion aus dem Elsass. Alte Rebanlagen versuchen wir teilweise umzuveredeln. So haben wir 2016 und 2017 alte Trollingerreben mit Blaufränkisch-Edelreisern aus Lutzmannsburg umveredelt.
Den ersten Wein aus diesen Anlagen werden wir eventuell 2018 ernten können 🙂

Lutzmannsburg – da fällt mir das Weingut MORIC von Roland Velich ein, sicher nicht die schlechteste Adresse in Sachen Blaufränkisch…

Im Moment für uns in Sachen Blaufränkisch/Lemberger die beste Adresse. Wir hatten durch ein Praktikum das Privileg, Roland Velich und seine Weine besser kennen zu lernen. Daraus entstand eine super Freundschaft und reger Kontakt. Wir haben von Roland sehr viel gelernt und sind ihm sehr dankbar dafür!

Zwei ha Rebfläche. Waren eure Flächen früher zur Genossenschaft oder Felsengärtenkellerei gehörig? Die Hänge an den Felsengärten sind ja nicht nur hoch romantisch und unter Kletterern sehr beliebt (daher kenne ich die auch noch aus meiner Jugend), sondern auch richtig steil, also nicht die einfachsten Arbeitsbedingungen. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, dort – von Genossen umgeben – Wein zu machen?

Wurmberg, Weinberge in Hessigheim am Neckar

Alle unsere Flächen gehörten zur Genossenschaft. Einen Teil haben wir von Stefanies Eltern (Mitglieder in der Genossenschaft) und anderen Winzern gepachtet und gekauft. Das Herzstück unseres Weingutes ist eine terrassierte Steillage und liegt im Besigheimer Wurmberg. Diese Parzelle konnten wir 2013 erwerben. Hier haben wir mittlerweile 0,6 ha Fläche, welche direkt nach Süden exponiert ist. Von Anfang an verzichteten wir auf den Einsatz von Herbiziden und Mineraldünger. Ende 2015 sind wir aus der Genossenschaft ausgestiegen und haben mit dem Jahrgang 2016 unser eigenes Weingut gegründet und befinden uns seitdem in der Umstellung zum biologischen Weinbau. Das besondere unserer Lagen ist der Untergrund, auf welchen unsere Reben wurzeln. Es ist hauptsächlich Muschelkalk und Dolomitgestein, welches zum Teil nur sehr schwach verwittert ist. Der Wurmberg ist hier ein Extrembeispiel. Hier haben wir nur sehr wenig verwitterten Oberboden mit einer nur sehr geringen Wasserhaltefähigkeit.

Sicherlich gibt es einfachere Lagen und Bedingungen. Wenn diese Region jedoch deine Heimat ist und du so viel unausgeschöpftes Potential siehst, ist der Reiz natürlich sehr groß. Wir möchten ausdruckstarke Weine erzeugen die die Geschichte ihrer Herkunft, des Jahrgangs und uns als Winzer erzählen. In Hessigheim gibt es noch unzählige Lagen, welche von der Flurbereinigung verschont geblieben sind. Auf diesen vom Urgrund geprägten Flächen müssen die Reben kämpfen und es entstehen spannende, vielschichtige Weine. Dies macht für uns den Reiz an unserer Region aus.
Wir haben auf Betrieben in Deutschland, Neuseeland, Burgund und Österreich gearbeitet und viele Erfahrungen sammeln können. Wir holen uns immer Anreize von außen und lassen uns von diesen inspirieren. Für uns ist ein Blick über den Tellerrand sehr wichtig. Dies bestärkte uns darin, unsere gesammelte Erfahrung hier umzusetzen und an unsere Gegebenheiten anzupassen.

Kann man davon leben?

Momentan betreiben wir unser Weingut im Nebenerwerb. Ein Weingut aufzubauen bedeutet erst einmal viel zu investieren. Bis wir vom Weinerlös vollständig leben können, wird es noch einige Zeit dauern. Wir möchten unsere Rebfläche zwar erweitern, aber nicht um jeden Preis. Nur Lagen welche unseren Qualitätsanspruch gerecht werden, erweitern unseren Betrieb.

Was ich sehr spannend finde ist die Umveredelung, auch allgemein Trollinger zu Lemberger oder Spätburgunder… man hat das ja schon sehr erfolgreich bei Felix Peters vom Weingut St. Antony gesehen, der im Niersteiner Pettenthal 2ha Blaufränkisch auf Rieslinganlagen umveredelt hat.
Aber wie muss man sich das als Laie vorstellen, so ähnlich wie bei den Obstbäumen?

Im Grunde funktioniert es ähnlich wie bei den Obstbäumen. Wir verwenden Edelreiser der gewünschten Rebsorte und pfropfen dieses auf einen bestehenden Rebstock.
Wir haben 2014 damit begonnen zu experimentieren. Die ersten Versuche waren so erfolgreich, dass wir in den Folgejahren unsere Umveredlungen ausweiteten. Mittlerweile überlassen wir diese Arbeit Profis aus Frankreich und Südamerika, da diese Arbeit sehr zeitaufwändig ist. Die Veredelung wird als Chip-Budding bezeichnet. Dabei wird ein Auge (Nodium) der gewünschten Rebsorte in den Rebstamm der bestehenden Sorte eingesetzt. Bestehen bleibt die Unterlage sowie ein Teil der alten Rebsorte (der Rebstamm). Wirtschaftlich lohnt sich dieses relativ teure verfahren eigentlich nur bei relativ jungen Anlagen (10-20 Jahre). Uns reizt jedoch vor allem die Möglichkeit, gerade sehr alte Weinberge (bis zu 50 Jahre alt) umzustellen. So haben wir die Möglichkeit mit sehr alten Reben, welche ein tiefgründiges Wurzelwerk besitzen und nur kleine Trauben erzeugen sowie hervorragendem Genmaterial zu arbeiten und ausdrucksstarke Weine mit Charakter zu erzeugen!

Umveredelung von Weinreben

Pinot Noir – Umveredelung „Vosne R“ – sind das dann Burgunder Edelreiser von Klonen 112, 113, 115, oder 777?

Die Edelreiser von Frankreich kommen aus Nuit-St. Georges und Vosne Romanée. Auch hier kamen wir durch ein tolles Praktikum an Genmaterial vom Pinot, das noch aus der Zeit vor der Klonzüchtung stammt. Die Klone 112, 113 etc. kamen unseres Wissens nach erst in den 70ern auf den Markt. Das Rebholz stammt aus Weinbergen, die allesamt älter als 60 Jahre sind!

Stefanie und Fabian Lassak im Weinberg. Das Weingut Lassak im Interview.

 

Unser Ziel ist es, den Charakter der auf Muschelkalk gewachsenen Weine ungeschminkt auf die Flasche zu bringen. Dabei geht uns nicht um Opulenz und vordergründige Holzaromatik, sondern um Feinheit und Eleganz. Unsere Weine sind ein Spiegel der Lage, des Jahrgangs und tragen dabei unsere individuelle Handschrift. Um dies zu unterstützen, vergären wir alle unsere Weine spontan und geben ihnen die notwendige Zeit um sich zu entwickeln.

Das klingt ja sehr vielversprechend und auf den Pinot Noir bin ich schon jetzt sehr gespannt!
Steffi und Fabian – vielen Dank für das Gespräch!

Die Weine vom Weingut LASSAK gibt es zB. bei aromakost in Ludwigsburg.

Weingut Lassak, Logo und link
Kontakt & Bilder:
Weingut LASSAK GbR
Besigheimer Straße 23
D-74394 Hessigheim
info@weingut-lassak.de
www.weingut-lassak.de

 

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Trollinger - das Shirt

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