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Twin Peaks – Ein Epilog und ein Prolog

Der Pilot der dritten „Twin Peaks“-Staffel ging gestern Abend in den USA bei Showtime online – Grund genug einen langen Blick zurück und einen kurzen Blick nach vorne zu werfen. Was für eine Bedeutung hatten die ersten beiden Staffeln zum Zeitpunkt ihres Erscheinens, was für einen Einfluss hatte „Twin Peaks“ auf die nachfolgenden Serien und was erwarten wir eigentlich von der heiß ersehnten dritten Staffel?

Von Marc Herold, Hamburg.

Radiererköpfe, Würmer, Samt

Als Kind der 70er erlebte ich meine cinematografische Sozialisation ein Jahrzehnt später. Diese Dekade – die 80er – waren filmisch größtenteils geprägt von Harmlosigkeiten wie „E.T.“ Serienklamotten wie der „Police Academy“-Reihe oder pathetischer Propaganda wie „Top Gun“ oder praktisch allem mit Arnold Schwarzenegger. Es gab aber auch ein paar Ausnahmen. Kubrick drehte „Shining“ und „Full Metal Jackett“ und selbst Ciminos „Heavens Gate“-Desaster konnte Dino de Laurentiis nicht davon abhalten dem jungen und relativ unerfahrenen Regisseur David Lynch die Regie für „Dune“ („Der Wüstenplanet“) zu übertragen.

Für mich war dieser Film trotz aller seiner Unzulänglichkeiten eine Erleuchtung. Film konnte anscheinend so viel mehr, als nur das Erzählen einer mehr oder weniger glaubhaften Geschichte sein. Ich glaube, ich habe damals bei der Vorführung von „Dune“ verstanden, dass es nicht nur darum geht, was auf der Leinwand passiert, sondern viel eher, was durch den Film im Zuschauer ausgelöst wird. Auch wenn man nicht auf Anhieb versteht, warum dieser junge, zweifelnde Kyle MacLachlan auf seinem ausgetrockneten Planeten nach Erleuchtung sucht, leidet man mit ihm, weil Lynch es so will, weil er die Innenwelt von Kyle MacLachlan/Paul Atreides bebildert. Wie im Höhlengleichnis sieht man seine inneren Bilder projiziert auf eine Leinwand.

Mit „Dune“ war für mich jeder Film von David Lynch ein Pflichttermin im Kino und etwas, worauf ich bereit war, lange zu warten. Mit „Blue Velvet“ schuf Lynch ein weiteres Meisterwerk, und zeigte, dass er in diesem jungen, verwunderten und neugierigen Schauspieler eine ideale Projektionsfläche für die eigene Reise zu den inneren Schlachtfeldern der Perversionen und Absurditäten gefunden hatte.

Wurde das Kino (auch durch Lynch) der späten 80er und frühen 90ern wieder etwas interessanter, verharrten die Macher von Fernsehserien weitgehend in den seriellen Erzählstrukturen, die seit den 70ern etabliert waren. Sicherlich wurde durch „Dallas“ oder „Hills Street Blues“ (Hier führte unter anderem Mark Frost, eine für „Twin Peaks“ zentrale Figur, Regie) das Konzept des seriellen Erzählens etwas aufgeweitet, Erzählstränge wurden länger, es gab erste Ansätze der Entwicklung von Charakteren über einzelne Episoden hinweg. Das was man später „Quality TV“ nennen wird, begann sich zu entwickeln) .Aber auch bei etwas innovativeren Serien wie „Magnum“ in denen manchmal die „Vierte Wand“ aufgelöst wird, ist eigentlich immer die gesamte Handlung für den Zuschauer versteh- und erkennbar und außerdem gibt es keine Probleme, die einzelnen Serien-Episoden in geänderter Reihenfolge anzuschauen.
Die Serien sind (mit den oben genannten Ausnahmen wie „Hills Street Blues“ ) praktisch „holographisch“; sie enthalten an jedem Punkt jeder Episode jede Information über die handelnden Personen. Higgins ist immer steif, die Spaßbremse und der Mann mir den nervösen Hunden, TC ist immer pleite aber gut gelaunt und der loyale Unterstützer Magnums, gleich ob wir den Piloten der Serie oder ihr Ende anschauen. Es gibt kein erkennbares Voranschreiten der Zeit.

Twin Peaks – Ein Epilog und ein Prolog

Welcome to Twin Peaks

Das änderte sich 1990 radikal mit dem Erscheinen der Serie „Twin Peaks“. Der Sender ABC verpflichte David Lynch und Mark Frost für die Produktion einer neuartigen Serie, in der es oberflächlich um die Aufklärung des Mords an der Schülerin Laura Palmer ging.

Twin Peaks – Ein Epilog und ein Prolog II.

Mehrere Dinge aber waren hier grundsätzlich neu. Zunächst beginnt die Serie wie ein klassisches „Whodunit“. Ein See, eine Leiche, ein Ermittler, viele Verdächtige. In einem brillanten Piloten werden uns fast wie in „Dune“ die einzelnen Häuser/Protagonisten vorgestellt. Die Verbindung zwischen den einzelnen Bewohnern des waldreichen und etwas aus der Zeit gefallenen Ortes „Twin Peaks“ werden uns nicht wie im Wüstenplaneten in einem etwas spröden Voice-over in einem etwas enzyklopädischen Stil geschildert, sondern sie werden anhand ihrer sie verbindenden Telefonate vorgestellt.
Die Nachricht vom Tode Laura Palmers verbreitet sich wie ein Virus in alle Richtungen. Hinfort ist die lineare, selbstähnliche Struktur von Soaps wie M.A.S.H. oder „Married…with Children“ („Eine schrecklich nette Familie“). Wir sehen, dass nicht nur David Lynch gelernt hat, komplexe Ausgangssituationen filmisch adäquater umzusetzen, wir sehen auch, dass sich das serial drama nach seinen Anfängen bei „Dallas“ zu seiner vollen Komplexität und Blüte entwickeln konnte.
Zusätzlich zu einem äußerst verstrickten Plot und mehreren Subplots, die in den folgenden Episoden entwickelt werden, merkt man schon recht bald, dass der in die Stadt des Verbrechens versetzte FBI Agent Dale Cooper (und wieder Kyle MacLachlan) kein den üblichen Spuren hinterher schnüffelnder Ermittler ist. Er ist von der spirituellen Verbindung von Allem mit Allem überzeugt, er bringt eine umfassende naturwissenschaftliche und psychologische Bildung mit und scheut sich nicht beides mit ans übersinnliche grenzenden Ermittlungsmethoden zu verbinden (s. Episode 17).

Man kann sich die Wirkung von „Twin Peaks“ in der heutigen Zeit, in der hochkomplexe Serien im Wochentakt erscheinen und jederzeit abrufbar sind, kaum vorstellen. Die Serie hatte aus dem Stand bei einem Bezahlsender eine wöchentliche Zuschaueranzahl von rund 35 Millionen Amerikanern. Die Spekulationen über die weitere Entwicklung der im Wochentakt ausgestrahlten Episoden waren „talk of the town“. Lynch wurde von einem etwas schrägen Arthouse Regisseur aus dem Stand zu einem Superstar.

Über die Eigenheiten der Serie und ihre möglichen Interpretationen wurden mittlerweile mehrere Dutzend Bücher verfasst. Obwohl sich Lynch wie fast immer sehr mit einer Interpretation zurück hält, äußerte er in einem der Interviews mit Chris Rodley (Sehr lesenswert: „Lynch über Lynch“ Hsg. Chris Rodley, Verlag der Autoren), dass ihm die Gut/Böse Ambivalenz seiner Figuren und speziell die seines Helden Dale Coopers sehr wichtig war. Nachdem Cooper in der ersten Staffel als einziger in „Twin Peaks“ vollkommen positiv und moralisch integer wirkt, wird auch er am Ende der zweiten Staffel mit einem bösen „Doppelgänger“ versehen. Die Symmetrie ist hergestellt, das Gleichgewicht gewahrt, doch wird der Zuschauer ratlos über den weiteren Fortgang der Geschehnisse zurückgelassen. Nachdem wir am Ende der ersten Staffel schon einen erschreckenden Cliffhanger überstehen mussten, hatte sich am Ende der zweiten Staffel nun eins der schönsten aber auch grauenhaftesten Serienfinale manifestiert.

„Full of Secrets“

 Bei all den Mehrdeutigkeiten und Unschärfen, mit denen uns David Lynch zurückgelassen hat, gibt es bei der strukturellen Analyse der Serie und ihrer Wirkung jedoch weitgehende Übereinstimmung in einigen Punkten. Der augenfälligste und auch immer wieder in der Rezeption der Serie durch-deklinierte Punkt ist geballte Auftreten postmoderner Techniken in „Twin Peaks“. Lynch verlässt mit der Serie um Laura Palmer das festgefügte und codifizierte Terrain der Moderne und begibt sich in serientechnisch neues Gelände. In den Vor-Twin-Peaks Serien waren Darsteller, die so aussehen wie Zigarre rauchende Industriemagnaten auch Zigarre rauchende Industriemagnaten. Lynch und Frost dagegen entwickelten Charaktere, die auch ganz unerwartete Charakterzüge hatten, so ist Hotelbesitzer und Ober-Intrigant Benjamin durchaus charmant, gebildet, rezitiert Shakespeare und träumt nostalgisch mit seinem Bruder Jerry von einer verflossenen, gemeinsamen Jugendliebe.

Twin Peaks – Ein Epilog und ein Prolog - full of secretsDie über Jahrzehnte in der US-amerikanischen Popkultur fortgeschriebenen Klischees werden durchbrochen und so zu einem Spielelement zwischen den Serienmachern und den Zuschauern mit ihrer Erwartungshaltung. Diese Brechungen gehen so weit, dass es Figuren wie Nadine gibt, die im Laufe der Serie mehrere Persönlichkeiten an den Tag legen. Diese fragmentierten, mehrbödigen Persönlichkeiten sind in Lynchs Spielfilmen an der Tagesordnung (man denke nur an Frank Booth in „Blue Velvet“) und damit kommen wir zu einem zweiten wesentlichen Teil der Postmodernen Erzählweise bei Lynch:
Er verwendet sehr oft entweder Referenzen auf andere oder sogar seine eigenen Filme oder sogar auf seine eigene Person. So stammt die Cusine von Laura Palmer aus Missoula, Montana, dem Ort, in dem David Lynch geboren wurde. Kyle MacLachlan, der in „Blue Velvet“ Jeffrey Beaumont spielt der Isabella Rosselini beim Singen zuhört, spielt in „Twin Peaks“ Dale Cooper, der Julee Cruise beim Singen zuhört.
Lynch und Frost erschaffen so einen Kosmos aus Referenzen, der zumindest gleichwertig neben der „eigentlichen“ steht, und aus dem der Zuschauer durchaus Hinweise auf die Story-Entwicklung ableiten kann.

Mehr zu den Referenzen in „Twin Peaks“ findet sich unter anderem hier:

http://www.dazeddigital.com/artsandculture/article/25423/1/all-the-wacky-unexpected-cultural-references-in-twin-peaks

Neben den Referenzen auf eigene und fremde Filme, überträgt Lynch auch seinen Einsatz „kitschiger Szenen“ in das Seriengeschehen. Sieht man in „Blue Velvet“ Jeffrey Beaumont und Dorothey Vallens dem Gesang eines ein Rotkehlchens lauschen, findet man in Episode 10 von „Twin Peaks“ eine ausgedehnte Szene, in der Maddie und Donna James beim Singen einer 50er Jahre Schnulze zuhören. Lynch legt durch das Stilmittel der „gestischen“, übertrieben gefühlvollen Handlungen Akzente, die zum einen das Spielhafte der Darstellung betonen, und zum andern die dargestellten Empfindungen als quasi utopisch aus dem Rest der Handlung herausheben.

E Unibus Pluram“

Dieser unerwartete Komplexitätszuwachs in einem zuvor eher unterkomplexen Format hatte Auswirkungen. Zum einen begannen sich „Seriöse Forscher“ an Universitäten mit Fernsehserien zu beschäftigen.

Zum andern wurde dadurch ein ganzes Medium zu einem Leitmedium. Kurz nach dem Erscheinen von „Twin Peaks“ beschäftigt sich David Foster Wallace 1993 in seinem Aufsatz „E Unibus Pluram“ mit der Stellung des Fernsehens in der US-amerikanischen Gesellschaft. Er kommt zu dem Schluss, dass die „Erzählungen“ im TV mittlerweile nicht nur die Komplexität und Relevanz von literarischen Erzählungen gewonnen haben, sondern dass das Fernsehen durch die Struktur seiner Verbreitung, zwar die Nation zusammenhalte, die aber nur zu dem Preis, das dafür sämtliches Aufbegehren gegen die gezeigten Inhalte absorbiert werde.

Seeßlen nähert sich diesem Problem von der anderen Seite. Er schreibt „Der Ort „Twin Peaks“ ist auf eigentümliche Art ‚leer‘. Die Objekte, die es hier gibt, verraten nicht viel über die Zeit in der wir uns befinden. Sie sind wie Lynchs Dialoge eher ‚gestisch‘. Sie haben Bedeutung für die handelnden Personen, aber sie konventionalisieren nicht die Repräsentanz einer abgebildeten Welt. Und auch dies legt nahe, das wir nicht in die Welt des David Lynch und Mark Frost allein eintauchen, sondern vor allem in unsere eigene Unterwelt. Anders als in der gewohnten Art der Konstruktion einer magischen Topographie, vervollständigt der Zuschauer nicht das Bild einer abgebildeten Welt, sondern nistet sich gerade in ihren Fremdheiten, Brüchen und Leerstellen ein. Es ist eine kollektive Phantasie, deren Medium die Fremdheit ist.“
(Georg Seeßlen, David Lynch und seine Filme, Schüren Verlag, 1994).

Diese beiden Aspekte, die zunehmende Komplexität (und damit eine Art von zunehmender Relevanz) verbunden mit einer neue entdeckten „kollektiven Phantasie, deren Medium die Fremdheit“ ist, erschufen den fruchtbaren Boden, auf dem seit den frühen 90ern zahllose neue Serien wuchsen. Vom Weiterspinnen des Szenarios einer Kleinstadt, angefüllt mit Exzentrikern in „Northern Exposure“ über die Düsterheiten von „Carnivale“ bis hin zu „Lost“ hatten wir mittlerweile fast jedes denkbare Maß an lynchesker Fremdheit. Albert Rosenfield wirkt wie der Samen aus dem sich die weitverzweigten Ranken diverser CSI-Sprößlinge entwickelten.

An der Stellschraube der Komplexität wurde ebenfalls gedreht. Serien mit über hundert Episoden sind mittlerweile keine Seltenheit, ferne Reiche, Mafia-Imperien und Drogenkartelle sahen wir entstehen, erblühen und wieder zerfallen. Wo der Plot in „Twin Peaks“ noch etwas hölzern und eher auf Ablenkung, denn auf Verbindung der Linien gebaut wirkt, denken größere Teams über die Plot-Entwicklung nach, und erarbeiten Möglichkeiten, wie der Schurke aus Staffel zwei der Held in Staffel fünf werden kann.

Demgegenüber wirkt es fast erschreckend naiv, wenn Lynch in einem Interview mit Chris Rodley erwähnt, dass er die Figur des „Bob“ zunächst nur aus Zufall oder Intuition eingefügt hat.

„Twin Peaks gibt es noch, nur hält im Moment niemand die Kamera drauf“

Die dritte Staffel „Twin Peaks“ erreicht uns nun an einem Zeitpunkt, zu dem wir eine Vielzahl hyperkomplexer, düsterer Serien verfolgen können. Mittlerweile haben sich auch die Erwartungen des Publikums an die Plot-Entwicklungen verschoben. Waren die Zuschauer der ersten Staffel von TP noch entsetzt, dass Cooper „erschossen“ wird, wundert sich der „Game of Thrones“ geschulte Rezipient, wenn nicht mindestens die Hälfte der Sympathieträger am Ende der ersten Staffel einer neuen Serie tot ist.
Ganz ähnlich rechnen wir mittlerweile damit, dass die good guys ein dunkles Geheimnis tragen, und dass die sadistischen Folterer in ihrer Freizeit Gedichte schreiben und Hundewelpen gesund pflegen.
Die zentrale Frage ist also, wie Lynch damit umgehen wird, dass von ihm erwartet wird, den Schlussstein in eine Kathedrale einzupassen, deren Bau er vor mehr als 25 Jahren selbst begonnen hat?

„And now, the Prophecy“

Um die Frage einzugrenzen, in welche Richtung die dritte Staffel gehen könnte, hilft es vielleicht, sich zu vergegenwärtigen, was für ein Ort „Twin Peaks“ eigentlich ist und welche Möglichkeiten er erzählerisch bietet.

Wenn wir dazu wieder Seeßlens Beschreibung heranziehen, wirke der Ort auf merkwürdige Weise leer. Auf der einen Seite hilft das dem Zuschauer, die Leerstellen mit der eigenen Unterwelt zu füllen, auf der anderen Seite (Seeßlen führt das später auch aus) befänden wir uns in einer Art zivilisatorischen Endzeit, in der nur noch Besitzverhältnisse die Funktion der Protagonisten bestimmen. Der amerikanische Traum des ökonomischen Aufstiegs funktioniert bei keinem der Protagonisten. Trotz der ur-amerikanischen Kulisse setzten die Bewohner von „Twin Peaks“ ihre Hoffnung auf Drogengeschäfte, Erpressung, Grundstücksspekulation, Prostitution oder Versicherungsbetrug. echnische Innovationen werden nicht erwartet sondern ironisiert. Als Nadine Hurley etwas erfindet, tut sie es auf dem denkbar marginalen Feld der lautlosen Gardinenstange. Generell ist „Twin Peaks“ ein „entindustrialisierter“ Ort. Der einzige benannte Industriebetrieb, ein Sägewerk, wird im Zuge eines versuchten Versicherungsbetrugs abgebrannt. Das Personal der Serie ist entweder beim Staat angestellt (Major Briggs, Andy, Lucy etc) oder im Bereich der wenig lukrativen Dienstleistungen tätig.

Erstaunlicherweise wird auch „Horns Department Store“, das einzige relevante Kaufhaus am Ort nie gezeigt, obwohl es eine wesentliche Rolle im Fall Laura Palmer spielte.

Wir sehen uns also einem Ort gegenüber, der strukturell ein Abbild der lahmenden, unproduktiven und zunehmend auf Spekulation setzenden US-Wirtschaft der ausgehenden 80er Jahre liefert. Das Böse und das Wilde findet hier nur noch abgespalten in den Wäldern um den Ort seinen Platz.

Eine der spannenden Fragen der neuen Staffel wird sein, auf welche Gesellschaftsstruktur Cooper bei seiner Rückkehr nach „Twin Peaks“ trifft. Und wichtiger noch, ob Lynch es erneut schafft, ein eher „gestisches“, nahezu als Kulisse erkennbares Umfeld zu schaffen.

Die noch spannendere Frage bleibt, was Lynch mit dem nunmehr gespaltenen Cooper macht? Schaft es Cooper, Bob zu besiegen? Existiert Bob in alle Ewigkeiten weiter, wie es die zyklische Natur seines Auftretens suggeriert? Oder ist Bob bloß eine Manifestation „Allen Bösens da draußen, welches Menschen in die Welt bringen“ (Albert Rosenfield, Episode 17)? Da Bob sich von Angst ernährt, müsste Cooper dann in letzter Konsequenz eine angstfreie Gesellschaft schaffen, um ihn zu besiegen. Oder, um den Gedanken von Seeßlen aufzugreifen, zumindest eine antikapitalistische.

Von der Warte der „Evolution der Serien“ wird extrem interessant, ob Lynch es schafft, dem Format eine neue Struktur zu geben. Er war einer der ersten, die horizontales Erzählen, eine postmoderne Form und sich ändernde Charaktere in eine Serie gepackt hat. Da Lynch in „Lost Highway“ oder „Inland Empire“ seit dem auch mit Formaten gespielt hat, die eher an ein Möbiusband erinnern, könnte man sich vorstellen, dass auch versuchen wird solche Elemente in einer Serie unterzubringen.

Ich werde mich in jedem Fall am 25.5. gespannt zurücklehnen und das Spektakel beginnen lassen.

Literatur:

Georg Seeßlen „David Lynch und seine Filme“, Schüren Verlag, 1994
Chris Rodley (Herausgeber) „Lynch über Lynch“, Verlag der Autoren, 1998
David Foster Wallace „E Unibus Pluram: Television and US Fiction“, The Review of Contemporary Fiction, 1993
David Lavery (Herausgeber), „Full of Secrets. Critical Approaches to Twin Peaks“, Wayne, 1995

Bilder:
Keine Twin Peaks im Titel, sondern der Pic Saint Loup aus dem Languedoc… by Stefan Schwytz, Wine Shirts dto.
Twin Peaks Bilder: Marc Herold.

 

 

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