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Château Pech Redon l’Épervier 2001 zur WeinRallye #97

Ein Gastartikel von Gernot Freund, Weinagentur les Individuels
zur WeinRallye #97  » Vins du Sud «

[GF] Letzten Samstag hatten wir einen wunderbaren Abend, ein befreundetes Paar war zu Besuch. Es gab mediterran gefüllte Dorade mit La Ratte Rosmarin-Kartoffeln, am Ende noch eine kleine Käseplatte. Als Kochwein und zum Fisch hatten wir einen Picpoul, frisch, zitronig, einfach nur schön zu trinken. Zum Käse gab es ausnahmsweise keinen Süßwein, wir öffneten einen Roten. Und damit begann im Kopf das Abenteuer Südfrankreich.VinsDuSud-Weinrallye#97
Der Wein Jahrgang 2001 verströmte schon beim Öffnen die gesamte Aromenpalette des Südens und versetzte mich direkt nach Narbonne. Ich war sozusagen auf dem Weg zu dem Weingut. Von der Autobahn runter, dann durchs Gewerbegebiet Richtung La Clape. Ich fahre die direkte Route nicht so gerne. Vorbei an Château Ricardelle, langsam lässt man die Hektik, den Stress, den Lärm hinter sich.  Noch ein Kreisverkehr und dann beginnt das Konzert der Natur – Fenster auf. Die Zikaden und Grillen machen bei ihrem Konzert schon fast einen ohrenbetäubenden Lärm, die Straße führt steil bergan, in den Kurven heißt es aufgepasst. Es kann jederzeit ein wilder Mountain-Biker, Jogger oder Autofahrer um die Kehre kommen. Das Plateau ist erreicht, die Straße, wenn man sie so nennen will, wird immer holpriger. Oben hat man eine wunderbare Sicht auf Gruissan, das Meer und oft schimmert in der Ferne der Canigou, der Berg der Katalanen.
Langsam, mit Rücksicht auf den Wagen passiert man den Eingang in das kleine Reich von Christophe Bousquet.

Wir sind angekommen auf Château Pech Redon.

Ich habe dann immer das Gefühl, die Luft ist schon anders. 20160502_123214-01Insekten summen, Vögel machen Jagd auf sie, wenn man Glück hat sieht man einen der letzten Mittelmeer-Adler am Horizont seine Kreise ziehen, im Herbst schwebt der Rüttelfalke über den Reben. Gleich rechts ein Feld mit alten Alicante Bouchet, es folgen Syrah, Grenache und Konsorten. Kurz vor der Domaine geht ein Fußweg rechts ab in Richtung Meer. Leicht über dem Hügel mit direktem Meerblick stehen die Mourvèdre. Überall riecht man das Garrigue, wildes Rosmarin, Thymian, Salbei und vieles mehr.

L’ Épervier 2001 la Clape, Château Pech Redon

Jetzt sind wir wieder beim Wein. Dunkel fast schon schwarz mit nur ganz leicht bräunlichen Rändern fließt er ins Glas. Die Kirchenfenster lassen auf einiges an Alkohol schließen. Den Gehalt weiß ich leider nicht. Ich bekam die Flaschen damals von Christophe geschenkt, weil ihm bei einem Deutschland-Besuch von 6 Flaschen die Etiketten abgegangen waren. Aber auf 14,5 bis 15% würde ich schon tippen. Neben wilden dunklen Fruchtnoten bestimmt würziges Garrigue die Nase des l’Épervier 2001, dazu ein Hauch von Mokka und dunkler Schokolade.
l’Épervier  das ist der Rüttelfalke, der sich im Herbst gütlich hält an den Trauben auf La Clape. Er ist die mittlere Qualitätsstufe des Weinguts. Das Jahr 2001 war im Languedoc ein gutes bis sehr gutes Jahr. Der Winter brachte einiges an Regen, auch im August gab es nochmals einige Regenfälle, so dass die Reben genug Wasser hatten für einen recht ausgeglichenen Jahrgang.

Ein bekannter Biodynamiker, Patrick Meyer von der Domaine Julien Meyer in Nothalten, Elsass, nannte dieses Stückchen Erde einmal gesegnetes Rebland, Terroir pur. Es bedeutet immer ein Stück Friede, drei Tage hier oben sind oft wie eine Woche Urlaub. Pech Redon ist aber auch durchschnittlich 300 Tage Sonne, 200 Tage Wind, kaum Regen. La Clape ist die regenärmste Region Festland-Frankreichs. Das vorherrschende Kalkgestein schimmert überall durch. Christophe muss keine Mengenbegrenzung machen, das tut die Natur für ihn. Bei jungen Reben kommt er auf einen Durchschnitt von 30 bis 40 hl, in guten Jahren vielleicht auf 50 Hektoliter pro Hektar, die alten Reben geben gerade mal zwischen 15 und 25 Hektoliter her.

Der Wein.
Am Gaumen bietet der 2001er einige Überraschungen. Obwohl schon 15 Jahr alt zeigt er eine herrliche Frische, eine sehr angenehme Säure. Er attackiert die Geschmacksnerven mit kräftigen Fruchtnoten. Die Tannine sind rund und reif, das Finale ein lang, jetzt kommt das Garrigue dazu, Lakritze, Mokka und dunkle Schokolade, alles sehr fein und leicht, immer im Hintergrund der dunklen jetzt marmeladigen, fast schon in einen Rumtopf eingelegten Früchte. Gegenüber anderen Jahrgängen fehlt mir ein wenig die Finesse, meine Gäste und meine Frau lieben den Wein.

Ich habe mir am Ende einen kleinen Schluck für den nächsten Tag übrig gelassen, ich wollte einfach wissen, ob er die nächsten 24 Stunden übersteht. Dann fand ich den Rest, den ich am Vorabend noch gesucht hatte. Es überraschte mich nicht. Ich hatte einmal das Glück, mit Christophe und seinem Önologen Hervé Chabert 2009 eine Verkostung Pech Redon l’Épervier machen zu dürfen, angefangen haben wir mit 1986. Damals gehörte das Gut noch dem Vorgänger von Christophe. Zehn Weine verschiedene Jahrgänge bis 1998, alle waren noch Top!!

Zur Region noch ein paar ergänzende Infos:

AOC LANGUEDOC – LA CLAPELaClapeKarte

La Clape ist das das jüngste AOC-Weingebiet im Languedoc. Das sechs Gemeinden umfassende Anbaugebiet wurde erst am 9. Juni 2015 vom Nationalen Ausschuss des INAO offiziell anerkannt. Vor den Toren Narbonnes Richtung Gruissan am Meer gelegen war das Massif de la Clape noch vor rund 600 Jahren eine zerklüftete Insel, die im Laufe der Zeit durch die von den Pyrenäen-Flüssen angeschwemmten Ablagerungen mit dem Kontinent verbunden wurde. Seither trägt das Bergmassiv den Namen La Clape, Okzitanisch treffend für „Steinhaufen“… Besonderheit ist die autochthone Weißweinrebsorte Bourboulenc, die Region ist aber insbesondere auch für ihre ungemein kräuterig-würzigen Rotweine bekannt.LaClapeDescript1

 

Grafiken/ Karten / Infos 2016 via: Conseil Interprofessionnel Des Vins AOC du Languedoc et des IGP Sud de France, CIVL, www.languedoc-wines.com

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