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Lemberger vs. Frankovka – ein Nachtrag zur Weinrallye

Nach der WeinRallye #85 – Blaufränkisch vs. Lemberger ist vor der Rallye. Die letzte Etappe war etwas mau besucht, doch es darf auch weiter über Blaufränkisch und Lemberger gesprochen und geschrieben werden. Muss! Hier und anderswo… Die Zusammenfassung zur WeinRallye gibt’s dann ebenfalls hier im Blog.

Als Frankovka oder Frankovka modrá ist Lemberger aka Blaufränkisch in Tschechien, der Slowakei, in der Region Wojwodina in Serbien sowie in Kroatien bekannt und liefert oftmals zuverlässige, anständige Rotweine, mitunter aber auch exzellente Stöffchen jenseits der üblichen Verdächtigen. In Südmähren befindet sich das größte Weinbaugebiet Tschechiens am Grenzfluß Thaya, wo neben der Österreichischen Paradesorte Grüner Veltliner eben auch Blaufränkisch angebaut wird, hinter dem Svatovavřinecké genannten St. Laurent die wichtigste Rotweinsorte des Landes. Ein Großteil der Weine wird im eigenen Land konsumiert, ein erheblicher Anteil vom Nachbarn Slowakei (und umgekehrt, wie mir unlängst ein Weinjournalist aus der Slowakei erklärte – alte Verbundenheit :). Inzwischen schaut man aber auch in Südmähren über alte und neuere Grenzen hinweg und arbeitet an einer Steigerung des Exportanteils. Die Betreiber des Weingutes Arte Vini versuchen, Weinbautradition und Moderne zu vereinen, was sich nicht nur in der Gestaltung der Flaschenaufmachung widerspiegelt.

Das VdP-Weingut von Ernst Dautel, zwischen Ludwigsburg und Heilbronn in Bönnigheim gelegen und seit 2013 von seinem Sohn Christian übernommen, zeigt immer wieder, dass Württemberger Weine fernab jeglicher Henkelbecher und Spätzle-mit-Trollinger-Klischees nicht nur gut, sondern hochklassig sein können. (Auch in Weiß als Riesling oder Chardonnay, aber das nur nebenbei).

Neben dem Spätburgunder GG Kalkschupen Sonnenberg hat es mir selbst aus dem Jahr 2012 der Lemberger GG St. Michaelsfeder besonders angetan. Aber auch der Lemberger Gipskeuper*** von Christian Dautel macht nicht erst seit diesem Jahrgang ordentlich Spaß im Glas und gehört schon länger zu meinen Lieblingen aus der „most underrated Rebsorte“ Deutschlands.

Birgitt Mockler von Aromakost in Ludwigsburg hat sich mit zwei Exemplaren beschäftigt,
hier ihre Verkostungsnotizen:IMG_5657

Dautel. Bönnigheim.

Lemberger *** Gipskeuper 2012

Der Lemberger *** Gipskeuper kommt direkt aus der Gemeinde Bönnigheim aus den besten Lagen der Gemarkung, welche auf dem Etikett mit der Bodenart gekennzeichnet sind.
Der Gipskeuper Lemberg wird stark reduziert in seinem Ertrag, um so nur das Beste in die Flasche zu bekommen, typisch für seine Herkunft spiegelt er gekonnt sein Terroir wieder.
Dunkles Rot, violette Reflexe am Rand leicht heller, jugendliches Erscheinungsbild, in der Nase intensive dunkle Beeren, Holunder im und dunkle Kirschen im Vordergrund, leichte rauchige Note die sich mit Paprika hervorragend verbindet und die ausbalancierte Säure hebt diesen Wein ab. Im Gaumen deutliche Noten von Pfeffer die Spannung in diesen wunderbaren Württemberger von Dautel bringen. Hier überrascht eine klassische Eleganz und es bleibt ein filigranes Schmuckstück, das mit jedem Schluck mehr Spaß bereitet und Vielschichtiger wird.

Frankovka 2013, Arte Vini. Mähren.

Und jetzt zum Blaufränkisch, genauer einem Frankovka aus Tschechien.
Erzeugt direkt an der Grenze zu Niederösterreich aus dem südmährischen Nový Šaldorf-Sedlešovice (deutsch Neuschallersdorf-Edelspitz), unmittelbar bei Znaim (Znojmo) auf halbem Weg von Wien nach Brünn am Ufer der Thaya (Dyje).
Arte Vini mit Jan Neubauer und Kellermeister René J. Vrátil, ein Geisenheimer, erzeugen hier Qualitäten, die sich nicht verstecken müssen.
Die nachhaltig bewirtschafteten Weinberge befinden sich in Umstellung auf biologische Bewirtschaftung.
Der Frankovka zeigt sich im Glas leicht violett mit schimmernden rubinroten Reflexen. Im Duft eine feine mineralische Würze, leichte Waldbeeren, etwas Pfeffer. Im Geschmack saftig nach roten Waldbeeren, Paprika und etwas Minze. Mittelkräftiger Körper, gut eingebundene Säure, von welcher der Wein profitiert. Im Abgang fruchtig mit leichter weißer Pfeffernote. Harmonisch ausbalanciert. Jedes weitere Glas ist ein Geschmackserlebnis mit langem Abgang und Pep.

zum Eingangsartikel „Blaufränkisch vs. Lemberger“ geht’s hier.

Weinrallye85

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