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Aufruf zur Weinrallye #85 „Blaufränkisch vs. Lemberger“

Blaufränkisch / Blauer Limberger / Kékfrankos

Blaufränkisch im Heimatland, Lemberger in seiner zweiten Heimat, dem Ländle, früher auch Blauer Limberger sowie Kékfrankos in Ungarn – eine Rebsorte, die nicht gerade die erste Geige spielt, fragt man den geneigten Rotweinfreund nach seinen Vorlieben.

„Most underrated Rebsorte Deutschlands“

Zur heutigen Weinrallye #85 wollen wir nicht unbedingt Córdoba spielen, auch wenn für viele hier Österreich klarer Favorit sein dürfte, ginge es denn um ein Wettrennen oder Wettbewerb. Jüngst machten allerdings auch Weine der Rebsorte auf sich aufmerksam, die nicht etwa aus dem Burgenland oder dem Neckarland stammen, etwa der ROTHE BACH BLAUFRÄNKISCH aus Nierstein vom Weingut St. Antony, den manche schon zum besten Blaufränkisch Deutschlands erklären… Auch die Ungarischen Winzer präsentieren immer wieder wunderbare Exemplare – Grund genug, sich näher mit der Sorte auseinanderzusetzen und Grund genug, eine Weinrallye just zu diesem Thema zu veranstalten.

Weinrallye85

Geht das? Darf man « Blaufränkisch » in Deutschland abfüllen oder muss bzw. sollte das « Lemberger » heißen? Steht der traditionell Österreichische Name auch für die Stilistik, sagen wir aus dem Burgenland? Bestimmen die Klone oder die Machart das Ergebnis?

Lemberger.

Mit derzeit 1.820 Hektar Anbaufläche in Deutschland, davon allein 1.682 in Württemberg und 66 im Badischen hat der Lemberger unter den Deutschen Rotweinsorten zwar aufgeholt (Veränderung seit 1995: 883 Hektar Zuwachs bei insgesamt abnehmender Rebfläche), rangiert aber immer noch auf Platz 7 der häufigsten Rotweinsorten im Land (entsprechend 1,8%), weit hinter dem führenden Spätburgunder mit 23.293 ha. Selbst die Neuzüchtung Regent rangiert mit 2.026 ha noch vor der vielleicht besten Rotweinrebe des Landes… Jaja, nach dem Spätburgunder natürlich. Allerdings ist der Großteil des hierzulande gekelterten Spätburgunders derart trivial, dass ich jetzt lieber schweigen will. Und ja, ich mag den sauerkirschigen Mariafeld-Typ nicht. Dafür bleiben noch ein paar andere Klone mit großartigen Resultaten, aber egal.

Wer Lemberger bisher nur als Verschnittpartner für den Trollinger aus der Literflasche kannte, der sollte sich schleunigst von ein paar Vorurteilen befreien. Und wer Rotwein aus Deutschland nur als unnötiges Beiwerk kennt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen… Schon der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, schrieb seine Dissertation über „Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar“, wobei der Lemberger bekanntermaßen seine Lieblingssorte war.

Die Rebsorte liebt es warm und windgeschützt, sie stellt hohe Ansprüche an Lage und Böden und verrieselt auch gern bei kühlem Wetter zur Blüte. Früher Austrieb und späte Reife machen sie nicht zur einfachsten Sorte, weswegen gerade im Stammland Österreich von vielen Winzern der Zweigelt als weniger anspruchsvolle Kreuzung aus den Sorten St. Laurent x Blaufränkisch bevorzugt angebaut wird.

Blaufränkisch.

Der Rebsortenname wurde wirklich als « Blaufränkisch », nicht etwa mit einem ‚e‘ am Ende festgelegt, nun denn. Im Mittelburgenland ist sie die Leitsorte, weswegen man auch vom « Blaufränkischland » spricht. Auch Niederösterreich ist für ausgezeichnete Blaufränkischweine aus dem Weinbaugebiet Carnuntum bekannt. In sehr guten Lagen kann er herausragende Spitzenqualitäten liefern, doch steht gerade im Württembergischen Neckarland vielerorts noch immer Trollinger oder andere Sorten in Toplagen auf Lößlehmböden über dem Fluss.

Kommt er in seiner Jugend oft wild und roh daher, können die tanninreichen Weine aus Blaufränkisch bei ausreichender Reife zur Lesezeit und anständiger Lagerdauer eine wunderbar dichte, samtige Struktur zeigen und bieten ein längeres Alterungspotential als mancher der „roten Kollegen“. Manchem Weinliebhaber möchte man geradezu entgegenrufen –
« so halte inne, warte, warte noch ein Weilchen, zu jung ist er, ach, viel zu jung… »
und so wird manch großartiger Wein weit vor Erreichen seines Höhepunktes geköpft.

Nicht jede Rebsorte verfügt über eine derart breitgefächerte Bandbreite an Spielarten in der Stilistik. Selbst rund um den Neusiedler See, der für viele das Paradeanbaugebiet für Blaufränkisch ist, finden sich doch von Gols im Nordosten zum südwestlichen Sopron oder noch weiter in Deutschkreutz und Horitschon etliche herausragende Produzenten, die allen Gemeinsamkeiten zum Trotze doch so eigenständig sind, dass man sich einen eigenen Fachhändler um die Ecke nur mit diesen Weinen wünschen möchte… also bei mir um die Ecke, versteht sich!

Was sind Eure Favoriten, Eure Erlebnisse mit den Stars und Geheimtipps jenseits der Bekannten?
Aus dem Fass, Barrique oder lieber ganz ohne Holz?
Gols oder Horitschon, Fellbach oder Bönnigheim, Sopron oder Villány? 

Ich habe allein auf der ProWein einen Messetag lang nur mit Blaufränkisch und Lemberger verbracht und bin sehr überrascht, wie wenige wirklich laue oder langweilige Exemplare mir ins Glas kamen. Oder anders herum: Selten so viel Gutes verkostet. Und nun bin gespannt auf Eure Beiträge zur Weinrallye #85 – Euch wird schon etwas einfallen!

Startschuss ist der 24.04.2015.
Eine spannende Weinrallye #85 wünscht Euch der Weinanwalt!

Verlinkung & Sammlung dann wie immer bei der Weinrallye hier im Blog. Wer kein eigenes Blog schreibt, darf seinen Beitrag gerne bei Baccantus als Gastartikel veröffentlichen.

 G1RebsortenMixedNew

Die Weinrallye,
von Winzerblogger Thomas Lippert ins Leben gerufen, ist ein derzeit jeweils am letzten Freitag eines Monats stattfindendes Blogevent. Ein Blog – in diesem Falle Baccantus.de – bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen.
Der Leser kann sich dann wie bei einer Rallye von Station bzw. Blog zu Station durchlesen.
Die Zusammenfassung aller Rallyebeiträge gibt es dann später bei Baccantus hier im Blog.

Hier mein Artikel Blaufränkisch/Lemberger/Kekfrankos – die Liste

11 Comments

  1. […] Beitrag ist der Weinrallye 85 gewidmet, zu der heute Baccantus unter dem Thema “Blaufränkisch vs. Lemberger” eingeladen hat. Hier findet man auch […]

  2. Nee, Meiner. Kein Empfang im Zug und der Wein hatte Kork… 🙂

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