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Borie la Vitarèle – vier Weine und ein Nachruf auf Jean-François Izarn

Die Domaine Borie la Vitarèle ist ein Ausnahmeweingut der Appellation Saint-Chinian. In Causses-et-Veyran, unweit von Cessenon-sur-Orb, befinden sich zwischen Garrigue und Pinienwäldern ca. 18 Hektar Reben, die seit 1998 biologisch bzw. biodynamisch zertifiziert bewirtschaftet werden. Gesunde, lebendige Böden aus Kalkstein, Kiesel und natürlich Schiefer prägen die Weine ebenso, wie  schonende Weinbereitung, minimalistische Eingriffe und viel Erfahrung.

Bei den Millèsimes du Languedoc in Carcassonne hatte ich zweimal das Vergnügen, bei den blind verkosteten Weinen der AOC Saint-Chinian die Weine von Borie la Vitarèle herauszugreifen, später nochmals beim Déjeuner.

Les Schistes gedeiht auf einer reinen Schieferparzelle, wie der Name schon unschwer vermuten lässt. Grenache und Syrah (50/50) bilden hier eine gut strukturierte feinwürzige Verbindung mit saftigen, aber keinesfalls weichgeschlämmten Tanninen. Etwas rauchig-kräuterwürzige Töne bei intensiver Beerenfrucht, ein Hauch von Lakritz, typische Chinian-Schiefercharakteristik. Ein angenehm pfeffrig-warmes Mundgefühl.

Vitarèle les CrèsDie Cuvée les Crès 2012 besteht schwerpunktmäßig aus Syrah (60%) mit 40% Mourvèdre, der Fassausbau in gebrauchten Demi Muids von 1-4 Jahren verleiht dem ganzen derzeit noch etwas jugendliche Üppigkeit, jedoch ohne einlullend weichgespülte Vanille-Plumpheit, im Gegenteil – der feingliedrige Rote kommt einer schönen dunklen Kirschnote daher, die etwas Zeit und Luft bedarf. Mit Erträgen zwischen 20 und 40 hl/ha ist man hier weit von der Massenproduktion weiter abwärts entfernt, man lässt sich gerne 18 Monate mit dem Ausbau Zeit und verzichtet (fast?) gänzlich auf Filtration. Les Crès gehört mit knapp 20 € sicher nicht zu den billigsten, aber auch nicht zu den teuersten Rotweinen aus Saint-Chinian oder überhaupt aus dem Languedoc, in Sachen traditionell erzeugte Rotweine sicher aber zu den feineren Gewächsen, Bio & Demeter hin oder her.

Aus der Orts-AOC Saint-Chinian Roquebrun stammt die Cuvée Midi Rouge aus Syrah und Carignan (60/40), so die Beschreibung für den 2011er. Ob wie früher noch etwas Mourvèdre drin ist, wer weiß? Hier wird nicht nur beim preis mit 39 € geholzt – für die Toprange wird auf neue 500l-Fässer gesetzt, was das Material locker wegsteckt. Man muss ihn ja auch nicht als Jungwein köpfen… muss man sich aber nochmals anschauen. Mir derzeit (noch?) etwas zu wuchtig und zu wenig von der Frische eines typischen Saint Chinian, eher eine Rhone-Wuchtbrumme, aber mit Klasse und Alterungspotential. Wenn man ihn schon jetzt trinken muss, dann am besten bereits vor dem Frühstück öffnen!

Ach ja, in Weiß geht das natürlich auch. Hatte ich erwähnt, dass ich auf die Weißweine im Languedoc-Roussillon stehe? Egal.

Borie la Vitarèle le Grand Mayol

Le Grand Mayol 2012 ist wohl noch eine recht neue Cuvée der Domaine aus Rolle (Vermentino), Clairette  und Bourboulenc. Helles Strohgelb, Aromen von Zitrusfrüchten und Garriguekräutern, etwas weiße Blüten. Mineralisch-salzige Frische mit ordentlich Druck am Gaumen und anständiger Säure. Ausbau: 10% in neuen Barriques, der Rest im Edelstahltank auf der Feinhefe.

Cathy und Jean-François Izarn haben nicht nur im Bereich der Biowinzer und der Biodynamiker der Appellation zu Recht einen glänzenden Ruf, sie gehören zu den hochgeschätztesten Persönlichkeiten der Weinbau-Szene des Languedocs. Gehörten.

Coquelicot - by Stefan Schwytz (c)Jean-François Izarn war nicht nur ein unermüdlicher Verfechter des biologischen und biodynamischen Weinbaus der Region, er war auch ein Vorreiter der  AOC Saint-Chinian und ein echter, meist freundlicher Charakterkopf, der weit über seinen Weinberg hinaus dachte. Am Dienstag, den 29. April starb der Inhaber von Borie la Vitarèle bei einem Traktorunfall. Die Maschine kippte in der Parzelle zur Seite und ließ ihm keine Chance. Es ist bestürzend, wie häufig immer noch derartige Unfälle –  auch in Deutschland – passieren. Am gleichen Tag hatte ich bei einem Weingutsbesuch bei Turner-Pageot im nur 20km entfernten Gabian mit Emmanuel Pageot über gefährliche Wege mit Traktoren gesprochen, als wir in einem Weinberg über Errosion und Bodenstabilität sprachen. Sämtliche Winzer und Händler, die ihn kannten und die ich danach besuchte, zeigten sich sichtlich betroffen und betrauerten den sympatischen, quirligen Kollegen.

Unser herzliches Beileid an Cathy Izarn und hoffentlich viele helfende Hände – nicht nur im Betrieb!

 

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