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Ein Rosé ist ein Rosé ist ein… Sommerwein?

Alljährlich, nicht nur zur Sommerszeit, wird der perfekte Mottowein ausgerufen:  Beginnend im Frühling mit dem ersten Spargel nebst passendem, meist weißem weinhaltigen Getränk und allerhand begleitender „erfrischender Frühlingstropfen“ geht es in aller sprießender Blumigkeit dem Sommer entgegen:

Balkonweine, Terrassenweine, Grill- und Chill-Weine…

und dann gibt es da noch den Rosé. Von vielen als Wein für Nicht-Weintrinker verachtet als „nicht Fisch, nicht Fleisch“, von anderen geliebt ob seiner unkomplizierten Frische,  ist es letztlich nur eine Weinart von vielen, von der es bemerkenswerte, herausragende wie Weinozeane voll trivialer Zuckerplörre gibt.
Stürzen wir uns also ins Getümmel und kippen wir ein Glas hinterher…

Unter den Pinky Scheußlichkeiten gibt es auch einige fragwürdige Berühmtheiten, darunter der vielleicht bekannteste Weinexportschlager Portugals, der Mateus Rosé mit über 50 Mio. Flaschen…

Neuster Hit der Weinwelt ist der Brangelina-Wein von der Côtes de Provence: Miraval Rosé Jolie-Pitt & Perrin, der mit knapp 17 € auch schon zu den hochpreisigen Pinkweinen zählt. Es geht natürlich auch in hochwertig, nicht nur, wenn die berühmte Winzerfamilie Perrin ihre Finger im Spiel hat. Aber eben auch. Man hat schließlich einen Ruf zu verteidigen. 16,90 € bei TVino.de. http://www.tvino.de/16/04/2013/miraval-der-brangelina-rose

Gerade auch aus der Provence kommen Unmengen an süßlichen Klebstoffen, deren Lösungsmittel Kopfweh verursacht, aber die Weinmärkte und Terrassen der Republik überschwemmt. Egal, erlaubt ist, was gefällt und es muss auch Weine für Rhianna-Fans geben. Und eisgekühlt und mit Minze verziert… aber lassen wir das.

In der AOC Tavel, Gard, unweit von Avignon und in unverkennbarer Bodenähnlichkeit mit Chateauneuf-du-Pape, nur auf der anderen Rhone-Seite gelegen, ist die vielleicht berühmteste Weinbaugegend, die sich speziell mit der Produktion von Rosé befasst, genauer gesagt sind hier sogar nur Rosés unter der AOC-Tavel zugelassen. Die Weine sind sowohl vom Extrakt als auch vom Alkoholgehalt eher die würzigeren, schwereren Vertreter, die es zu einigem Ruhm gebracht haben. Mir persönlich haben sie davon meist zuviel, dafür zu wenig Säure. Für mich jedenfalls. Dann lieber die aus der Nachbarschaft. Nein, nicht nur aus Ch9dP.

Domaine Le Pive Gris, Grande Camargue 2011, Montcalm, Vignobles JeanJean. Ein Bio-Rosé aus je 30% Grenache Gris, Grenache Noir, Merlot und 10% Cabernet Franc. Noch ein Südfranzose, diesmal aber recht trocken, Restzucker: 1,5 g/l bei 12 % Vol. und einer Gesamtsäure: 3,7 g/l. Egal, läuft. Läuft sogar verdammt gut. Genau so muss Rosé ohne ChiChi sein! Wunderbar ausgewogen, nicht klebrig, luftig floral. Für 5,59 € z.B. bei Probiowein.de.

Rosé kann auch einfach mal nur Spaß machen: Inselwein.

Ein solcher Kandidat ist der Spätburgunder-Weißherbst vom Bodensee. Hier spreche ich nicht von Lokalpatriotismus, sondern bewusst von nettem Trinkwein für den unkomplizierten Genuss am Abend und in der Natur. Dafür werden mich einige hassen, die entweder die Seeweine ohnehin verachten, oder eben den Spätburgunder-Typus, wie er hier gepflegt wird. Ich bin ehrlich gesagt auch nicht der größte Fan von den Pinot-Stilen, aber when it comes to Weißherbst, dann macht z.B. ein Reichenauer Hochwart Spätburgunder Weißherbst durchaus Laune. Ihn gibt es für 6,30 € beim 1896 gegründeten Winzerverein der Insel Reichenau, der kleinsten selbstständigen Winzergenossenschaft in Baden, und zwar als Weißherbst Kabinett in süßerer Form: RZ 16,0 FS 6,4 alc.11,0 % oder als Kabinett Trocken „Rosé“ mit RZ 6,5 FS 6,4 alc. 11,5 %. Letzterer ist mein Favorit von der Insel. Wen es noch interessieren sollte: Weißherbst darf sich ein Roséwein nur nennen, welcher aus einer einzigen roten Rebsorte gekeltert wurde, also z.B. Spätburgunder oder Dornfelder. Aber wer will schon Dornfelder trinken? Einmal die Felchen-Filets mit buntem Reichenauer Salatteller, bitte!

Die letzten Rosés aus Portugal, die mir zugeflossen sind, waren übrigens alle mehr als „trinkbar“. Das sollte ja eigentlich auch der Fall sein, hat dieses faszinierende Weinland doch in jedem kleinsten Seitental des Douro mehr zu bieten als Mateus, zB. Vallado Douro DOC, ein Rosé aus der Touriga Nacional. Einer war der Vallado Rosé 2011. 12,5 % Vol. Hochgelobt von den üblichen Verdächtigen und wahrlich kein schlechter Tropfen, wenn auch mit 8,40 € z.B. bei ovinho.de für einige Rosétrinker schon eher an der Schmerzgrenze für einen „einfachen Trinkwein“. So einfach muss es ja auch nicht sein. Angenehmer Schmelz, erfirschende Säure, etwas verhalten, wenn zu kühl getrunken, kommt dann aber aus der Versenkung. Eher ein feiner, eleganterer Stil. Passt.

Den Spanier „lesegut“, leicht erkennbar durch sein markantes Etikettendesign, dessen integrierter Sehtest mir die nächste Brillenstärke nahelegt, gibt es ebenfalls als sehr anständigen Rosé aus der D.O. Navarra in der Subregion Tierra Estella. Ein reinrassiger Garnacha (Grenache), der als rosaroter Charme-Bolzen daherkommt und neben frisch gekühlten Erdbeeren und Frühkirschen bei sehr anständiger Säure die Frage nach dem passenden Abendessen aufwirft. Fisch geht immer, gegrillter Lachs sowieso. Aber auch zu Tapas oder pur… just for fun, hey, it’s just wine, enjoy! Cabernet Sauvignon, 12,5 % Vol. Knapp 7 € im Fachhandel.

So, und der Weinanwalt freut sich jetzt auf etwas Oxidatives… und Summer Wine 😉

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