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Faugères légers – Die Einstiegsklasse

Baccantus ist mal wieder à la recherche du vin perdu im Languedoc. Und da man ja nicht nur das Topsegment betrachten sollte, beginnen wir folglich mit der Basis.
Fast, denn wir sind immerhin schon in einer renommierten AOC, dem Faugères, wenn auch auf Bauchhöhe im Supermarkt. Die Weine bewegen sich alle im Segment von 3,90.- bis 6,40.- (vor Ort-Preis), auch wenn ein paar „Occasions“ dabei waren.

Faugères ist ein winziges Dorf im Languedoc mit weniger als 200 Einwohnern, und obendrein Namensgeber für eine eigene kleine Apellation im Département Hérault, nördlich von Pézenas und Béziers und südlich von Bédarieux auf rund 250-300m Höhe.

Die dominierenden Rotweinsorten sind Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault und Carignan.

Faugères = Schiefer

Es werden im Schnitt maximal 50 bis 60 Hektoliter pro Hektar bei den Roten und 45 à 54 Hl bei den Weißen gelesen. An den Südausläufern der Cevennen gelegen ist der Einfluss des Mittelmeers prägnant, meist milde Winter und teils kräftige Niederschläge im Frühjahr und Herbst, im Sommer kämpft man hingegen oft mit der Trockenheit. Die typischen Schieferböden sind recht unfruchtbar und großteils extrem sauer. Und Schiefer ist hier wirklich typisch: In den benachbarten Apellationen wie Saint Chinian gibt es zwar auch diverse Schieferzonen, meist sind es aber nur Streifen, die dann wieder von ausgedehnten Ton- und Kalksteinformationen durchzogen sind. So einheitliche Schieferböden wie im Faugères findet man sonst nirgends im Süden.

Zu den bekanntesten Erzeugern gehören neben vielen weiteren Ollier-Taillefer, La Liquiere, Mas Gabinele, Haut Fabregues, JeanJean und les Fusionels.
Kräuterige Noten mit typischer Schieferaromatik findet man häufig; die Roten sind meist von feinerer Eleganz und schlanker als in den flacheren Regionen in Küstennähe. Aromen von reifen Früchten und Lakritze finden sich ebenso wie Noten von Leder und Feuerstein, markant, manchmal auch rund, aber selten opulent und wuchtig, in jungen Jahren eher hart und verschlossen.

Der gezielte schnelle Griff ins Regal fördert eine Handvoll roter Faugères und einen Weißen Kandidaten zu Tage.

Überhaupt: man sollte allgemein die Weißweine aus dem Süden Frankreichs nicht unterschätzen, gerade in Sachen Essensbegleiter finden sich hier vom Allrounder bis zum Extremisten viele feine Teile, und wer sich mit der Säure des Rieslings schwer tut, wird hier vielleicht eher fündig.

Extremus Faugères 2010

Les Vignerons les Crus Faugères, 4,90 € – 5,99 €. 13%.

Dunkles Rubinrot, rote Früchte in der Nase. Kräftige Säure und typische Feuerstein-Aromatik, astringierendes Gefühl am Gaumen, anfangs ziemlich verschlossen. Wesentlich frischer als Mas Olivier, aber nicht so geschmeidig, was wohl am fehlenden Holzeinsatz liegen könnte. Ein Extremist? Wenn man blutiges Rindfleisch favorisiert nicht. Für diejenigen, die es lieber durchgekocht mögen – mit Sicherheit. Verändert sich mit etwas mehr Luft deutlich positiv und öffnet sich. „Sélection Vieilles Vignes“ Vendange cueillie à la main. Gut, überprüfen lässt sich das aus der Flaschen- oder Glasperspektive nicht, aber ein Standard-Rotwein ist das im positiven Sinne nicht. So etwas findet sich dann problemlos als Wochenaktion bei Jacques‘ Weindepot für 7,49.- wieder. Im besten Falle… oder eher doch nicht.

Mas Olivier Faugères 2010 Grande Rèserve,

La Cave des Vignerons Réunis des Crus Faugères, 3,90.- 4,99.-

Schon über den Basis-Mas Olivier angesiedelt, findet sich dieser Vertreter in vielen Supermärkten und anderen Läden wieder, meist um die 5 Euro, manchmal auch deutlich darunter in der Aktion. Ein Standardvertreter des Faugères also, durch Holzeinsatz dezent „nobilitiert“. Geschmeidig, rund und gefällig kommt er daher, ein Hauch von Vanille, aber durchaus noch moderat, kein Holzhacker im Karohemd, eher Everybodys Darling, ein Gaumenschmeichler. Einen noblen Cru darf man hier zwar nicht erwarten, aber jedes Jahr aufs Neue ein bezahlbarer „strong buy“, mit dem man nicht viel verkehrt machen kann. Anders als viele Fitous oä. derselben Preis- und Vertriebsklasse schon eher vielschichtig denn eindimensional alkoholisch, und 13% gehen schon in Ordnung.

Natürlich geht da noch mehr im Faugères (das reimt sich…;-) aber hey, für den Preis? Kaum.

Mas Fenouillet Faugères 2009

Vignobles JeanJean, Apellation d’Origine Protegé (AOP) Faugères

30% Grenache, 30% Syrah, 20 % Cinsault, 20 % Carignan. 13,5%. 4,40 € – 6€.
Eine fruchtig-fleischige Assemblage aus verschiedenen Parzellen des Faugérois.
Intensives dunkles Rubinrot, reife schwarze Früchte in der Nase, Gewürze und typische Garriguekräuter. Auch am Gaumen dominieren die kräuterigen Töne mit roten Früchten, deutlich auch hier Lakritze mit etwas Gummi. Ein winziges Minzblättchen pour Monsieur? Merklich auch hier die Säure, entwickelt sich auch nach einiger Zeit zum Positiven. (Das haben nach meiner Erfahrung gerade die jüngeren Roten aus dem Languedoc meinst so an sich, es empfiehlt sich eine Öffnung deutlich vor Trinkzeitpunkt, bei manchen am besten direkt nach dem Frühstück 😉 Ein anständig fülliger Abgang. Nicht spektakulär aber wie eigentlich alle der Kandidaten mehr als nur trinkbar.

Cécilia Faugeres 2009 AOP

Groupe JeanJean. 13,5%, 5,10 € – 6,40 €

Ein Big Player im Languedoc und darüber hinaus, die Familie JeanJean, inzwischen unter Advini mit anderen Häusern verbandelt und bekannt (etwa Ogiers, Cazes, A. Moueix, Gassier ua.) und im Faugères auch mit Mas Fenouillet und Sylvain vertreten. Cécilia kommt direkt nach dem Öffnen zunächst etwas alkoholisch daher, ein Weilchen nach dem Öffnen dann doch auch runder. Mitteldunkles Rubin. Prägnant auch hier die Säure, etwas Lakritz und Gummi, Kompott und dunkelrote Beeren, etwas kurz im Abgang. Ein paar unharmonische Töne sind unverkennbar, ob dies am Eichenholzeinsatz liegt? Wohl kaum, aber Tante Cécilia fällt trotz Preisführerschaft etwas hinter den Kollegen ab.

Château Sylvain Mas, Faugères 2009 AOP

Thierry Dalmas, Syrah, Grenache, Mourvèdre, 13,5%

Ebenfalls unter dem Dach von JeanJean, aus Autignac im Herault. Hier bei mitteldunklem Rubinrot deutlich komplexere Nase als bei der Cécilia, kräftige Säure, astringierend und etwas verschlossen zu Beginn. Frische Anmutung auch am Gaumen, etwas weniger Lakritze, dafür mehr rote Früchte. Etwas mäßig reife Feigen. Weniger Schiefer-Typizität, kommt aber nach einer Weile deutlich besser daher als direkt nach dem Öffnen, auch die Lakritze, die anfangs gut eingewickelt und versteckt war.

Mas Olivier Blanc 2011 – Grande Reserve

La Cave des Vignerons Réunis des Crus Faugères, 3,90 €, 13%.

Typische Schieferlage. Assemblage aus 40% Roussane, 20 % Marssane, 30% Grenache Blanc und 10% Rolle (Vermentino). Erst 2004 begann man mit den weißen Faugères bei Mas Olivier.
Frisch schimmerndes Goldgrün im Glas, weiße blumige Noten, etwas Buttertoast und kandierte Früchte. Angenehm voluminös im Mund, kein Meister der Subtilität, aber auch keine Wuchtbrumme. Beachtliche Säure ohne Bitternoten. Ein angenehmer Speisebegleiter oder Solo auf der Terrasse, durchaus ein bemerkenswertes Preis-Leistungsverhältnis. Das war jetzt fast untertrieben… Vergleichbare Qualitäten in dieser Klasse sucht man bei deutschen Discountern meist vergebens, oder man findet sie mit fragwürdigen Medaillen und etlichen Parker-Punkten aufgehübscht auf der Aktionstheke. 3,90 €?? Ich musste grad nochmal auf den Einkaufzettel schauen… jepp! Und die Flasche ist leer… mächtig Spaß im Glas zum Discountpreis!

Ein kleines Fazit
Luft brauchen sie alle oder sie schadet jedenfalls nicht; die meisten gewinnen deutlich mit der Zeit. Luft nach oben in Sachen Qualität ist hier natürlich auch noch gewaltig, aber wir halten fest – alle trinkbar, keine Totalausfälle, keine Folgeschäden… will heißen, alle Weine sind technisch gut gemacht und zeigen einen gewissen Bezug zur Herkunftsregion; der ein oder andere auch schon eine bemerkenswerte Subtilität und Vielschichtigkeit. Wer noch mehr Individualität sucht, sollte vielleicht auch ein klein wenig mehr anlegen, aber schon dieser Einstieg in die AOC Faugères zeigt, was in dieser wunderschönen Region steckt – und mit nur etwas Phantasie kann man sich vorstellen, was sich hier für großartige Weine erzeugen lassen…

Ein Kommentar

  1. Nachverkostet:

    auch eine weitere Flasche Extremus Faugères 2010 mit anderem Abendessen wusste zu überzeugen, sicher einer meiner Favoriten aus der Serie der Supermarkt-Faugères.

    Ein weiterer Domaine de Fenouillet von 2009 „Extraits de Schistes von JeanJean fand sich die Tage auch noch zum Stelldichein. Hier waren ganz klar Lakritze & Säure als vorherrschend dominante Komponenten präsent, angenehm rund und samtig, für meinen Geschmack etwas zu geschliffen. Sehr trinkig und dabei durchaus konsensfähig, aber bleibt ebenfalls hinter dem Extremus zurück.

    Der weiße Mas Olivier hat auch in zweiter Runde einen Abend mit Miesmuscheln aus dem Bassin de Thau überstanden… passt.

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