Zeit für Biowein: Weingut Georg Forster

ECOVIN – Zeit für Biowein. Unter diesem Motto startet im Vorfeld der ProWein 2012 eine Blogger-Aktion von 20 Mitgliedern des Ökoweinbauverbandes ECOVIN zum Thema Biowein. Meisterblogger Dirk Würtz rief via Facebook zum Mitmachen auf und so erhielten die Teilnehmer Weingüter & Weine zugelost. Im Vorfeld war ich noch davon ausgegangen, alle bekämen die gleichen Weine, aber so ist es natürlich auch spannend…

Die Frage Biowein – was ist das? stellten wir nicht erst nach der Millèsime Bio, der großen Bioweinmesse in Montpellier Anfang des Jahres. [Edit: dort traf ich übrigens auch die Macher vom Moselweingut zur Römerkelter, die erstmals auf der Millèsime ausstellten und die ebenfalls an dieser Aktion hier im Blog 'Weinding' teilnehmen...] Auch die Messen BioFach in Nürnberg und die ProWein in Düsseldorf wachsen dieses Jahr deutlich im Segment der ökologisch erzeugten Weine, diesogar mit einer eigenen Halle… Von ökologisch erzeugten Trauben, den neuen EU-Richtilinien und Reformen für Bioweine hatten wir es hier bei Baccantus in letzter Zeit häufiger, auch aus der Perspektive von Erzeugern und Biowein-Fachhändlern.

Einer der Wein-Erzeugerverbände, die sich schon seit langem für Qualitätskontrollen und entsprechend ökologische Konsequenz beim ökologischen Weinbau einsetzen ist ECOVIN. Bereits seit 1985 haben sich die Mitglieder Verbandsrichtlinien unterworfen, die weit über die Vorgaben der EU für ökologisch erzeugte Trauben hinausgehen. Derzeit sind ca. 215 Mitgliedsbetriebe und 1.400 Hektar in Deutschland nach ECOVIN-Vorgaben bewirtschaftet.

Einer davon ist das Öko-Weingut Georg Forster in Rümmelsheim aus dem Weinanbaugebiet Nahe. Der Betrieb wurde 1938 als Mischbetrieb von den Großeltern gegründet, 1994 entschied man sich für den ökologischen Weinbau und wurde Mitglied bei ECOVIN. Derzeit werden 18 ha durch die Familie Margit und Georg Forster als Selbstvermarkter bewirtschaftet.

Zum Weinbau gebiet Nahe ein paar Worte. Die Nahe geht leider bei vielen “Gelegenheitsweintrinkern” hierzulande etwas unter und läuft unter “irgendwo zwischen Mosel und Rhein” und Rheinhessen. Erst seit 1971 wird das Anbaugebiet als eigenständig in RP geführt. Dabei gibt es kaum eine Weinregion, die eine derart vielfältige Bodenstruktur hat wie die Nahe mit ihren Nebentälern. Porphyr,Melaphyr und Buntsandstein überwiegen im Mittelteil der Nahe, bei Bad Kreuznach reicht die Bandbreite über Verwitterungsböden zu Sandstein, Löss und Lehm, aber auch bedeutende Quarz- und Schieferböden wechseln sich teilweise auf kürzeste Distanz mit den anderen ab. Der entsprechende Umgang mit den recht verschiedenen Böden verlangt dem Winzer einiges ab und nicht jedem Winzer wie Genießer kommt dies gelegen. Die vereinfachte Gleichung ist eben nicht: Nahe = Schiefer, was auch anderswo, etwa an der Mosel nicht immer stimmt.

An der Nahe sind eher die Winzer als die Lagen bekannt. Große Erzeugernamen wie Schlossgut Diel, Dönnhoff oder Emrich-Schönleber aus Monzingen sind auch manchem Konsumenten geläufig, der diese Güter vielleicht spontan in einem anderen Anbaugebiet verorten würde.

Im Rahmen der Blog-Aktion < ECOVIN – Zeit für Biowein > verkosten wir folgende Weine:

Riesling trocken 2010, Riesling trocken „vom Roten Schiefer“ 2010 und einen 2010er Frühburgunder trocken. Nach Angaben des Winzers war das Premium-Segment derzeit nicht besetzt (oder schlummert der Reife im Fass entgegen), aber wie ich immer sage – im Basis-Segment muss es passen…

Riesling trocken 2010

Wir starten mit dem Basis-Riesling 2010, der unter “Genuss für jeden Tag” zu verbuchen wäre, so die Webseite des Erzeugers. Helles gelb im Glas, prägnante Säure schon in der Nase, grasig-erdige Töne. Sehr verhalten am Anfang, mit zunehmender Wärme im Glas und etwas Luft zugänglicher. Dezent vegetabile Aromen, auch am Gaumen eine deutlich hervortretende Säure, die sicher nicht jedem Rieslingfan zusagt. Etwas bittere Noten, die auch mit zunehmender Verweildauer im Mund nicht verschwinden.  Ordentlicher Abgang, mit 11.0% ein leichter, spritziger Trinkwein, der bei wärmeren Außentemperaturen sicher ein fröhlicher Begleiter zum anständigen Preis für die Outdoor-Saison sein kann.

Riesling trocken 2010 – Vom Roten Schiefer -

Interessant, die beiden Rieslinge im Vergleich zu trinken – hier kann man deutlich sehen, wie vielseitig die Nahe auch vom Boden her sein kann. Wesentlich geschmeidiger als der erste, wieder grasige Töne von frisch geschnittenem Gras, Schiefermineralik, kommt für seine 12,5%Vol. immer noch recht leicht daher, kein Schwergewicht an Gaumen und im Abgang. Auch hier eine kleine Bitternote, die allerdings mit etwas Zeit & Luft von den sich ausbreitenden Fruchtaromen verdrängt wird.

Frühburgunder 2010 trocken

Erstaunlich wie wenige mit der Sorte Frühburgunder etwas anfangen können. Er entstand aus einer (natürlichen) Mutation des Spätburgunders und reift ca. zwei Wochen vor diesem, daher naheliegender Weise der Name.

Dieses Exemplar erinnert in der Farbe zunächst eher an einen leichten Trollinger. Hellstes Rubinrot, Schlank und extraktarm mit eher fruchtig-leichter Ausrichtung. Leichte Rauchnoten, etwas Mandel. Ich fühle mich an einen Trollinger erinnert, der kurz im neuen, kräftig getoasteten Barrique lag. Allerdings steht diese “Leichtigkeit des Seins” etwas im Widerspruch zu den doch nicht mehr ganz so lockeren 14,5% Vol. und einer ebenfalls deutlich vorstechenden Säure, die ja bekanntlich im Jahr 2010 vielen Win­zern in Deutsch­land deutlich Probleme machte und vielerorts zu kräftigen Korrekturmaßnahmen im Keller führte. Doppelsalz und Entsäuerung waren die Themen, über die auch in den Blogs viel geschrieben wurde, die viele Winzer aber lieber verschwiegen hätten, obwohl es bei vielen trockenen Weinen oftmals alternativlos war.

Aber c’est la vie et les vins… Spannend wäre es, die neuen oder ältere Jahrgänge hierzu im Vergleich zu testen, denn gerade das völlig andersartige 2011 wird hierzu auch bei den Rotweinen gänzlich andere Charakter an den Tag legen – ich bin jedenfalls gespannt und werde mir die Nahe und die 2011er Weine von Georg Forster genauer ansehen!

Rund ums Thema ‘Zeit für Biowein’ hier und anderswo:

 

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Weitere Links rund ums Thema Biowein & neue EU-Regeln

bei Baccantus:

WineWear & Shirts by Baccantus

 

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  1. Georg Forster’s avatar

    Für uns ist Bloggen absolutes Neuland. War -und ist- eine spannende Geschichte den Wein zu einem Blind-Date zu schicken. Wir waren absolut positiv überrascht über die fundierten Infos über die Nahe als Region und die objektive und faire und sachliche Beurteilung unserer Weine. Wir würden uns freuen, wenn ein Kennenlernen auf der ProWein möglich wäre, laden Sie aber auch genauso herzlich zu uns ins Weingut ein. Auch wir sind gespannt auf die 2011er Weine – die liegen nämlich bis auf einen Solaris edelsüß noch alle im Hozfass bzw. Edelstahltank und entwickeln ihre Persönlichkeit.

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