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Dinge die die Welt nicht braucht: geschmackloses Kribbelwasser

Bei aller Schelte gegenüber den Discountern und Supermärkten muss man doch feststellen, dass es immer wieder auch Positives in Sachen Wein dort zu entdecken gibt.
In der Zwischenzeit gibt es ja nicht nur erfolgreiche Supermarktweinführer wie den Super Schoppen Schopper von Cordula Eich oder Super-Weine aus dem Supermarkt von Frank Kämmer, sowie „basisdemokratische Weinbücher“ wie das demokratische Weinbuch von Rainer Balcerowiak, die dem geneigten Konsumenten, der gelegentlich oder auch zielstrebig diese Vertriebskanäle ansteuert, im Idealfall dabei unterstützen können, einen anständigen, günstigen Wein aus dem Regal zu angeln. Nein, es gibt auch Tropfen und Schoppen, die durchaus gefallen und sich keineswegs vor entsprechenden Weinen aus dem Fachhandel verstecken müssen.
Über die Art und Weise, wie diese Weine u.U. zustande kommen und ihren Weg in die Märkte finden, wurde und wird an anderer Stelle geschrieben – ein komplexes Thema, welches sich auch nicht ansatzweise mit ein paar Sätzen abhandeln lässt – zu unterschiedlich sind auch die Weine und die Unterschiede zwischen den einzelnen Discountern, Drogeriemärkten mit Weinabteilung und Supermärkten.

Manchmal finden solche Weine auch zu mir oder ich zu ihnen, mal beiläufig, mal versehentlich, manchmal auch vorsätzlich:) Derletzt  hatten wir es bei Baccantus schon von Parker-Punkten im Discounter und von weiteren Discount-Schoppen in der Aktion bei Aldi & Co.

Pretty in Pink

Manchmal begegnet man jedoch auch Flaschen, denen man lieber nie begegnet wäre, und das gilt sowohl im übertragenen wie im tatsächlichen Sinne…

Es spricht nichts gegen Rosé-Sekt, -Champagner oder –Crémant, im Gegenteil! Einige der größten Champagner sind ein einziges rosiges Vergnügen… Ob es nun ein Krug Rosé Brut (19 B&D) oder ein Billecart-Salmon „Élisabeth Salmon Rosé 2000 sein muss (18,5 B&D), oder es nicht auch eine Kiste oder sogar mehr zum vergleichbaren Preis vom Grand Cru Authentique Rosé von Campagne Barnaut tut (18 B&D) steht auf einem anderen Blatt. Nur zum Vergleich: der letztgenannte kostet knapp unter 20 EUR, die ersten dreistellig und auch der mir unverständlicher Weise vielerorts hochgejubelte Nicolas Feuillatte erreicht mit seinem Palmes d’Or Rosé 2002 gerade mal 14/20 B&D-Punkte… allerdings bei über 150 €/Fl…
Sogar an der Secco- und Perlwein-Front gibt es mitunter Erfreuliches und Bezahlbares in dieser Farbe, Erfrischendes muss ja nicht immer teuer sein. Aber so, wie sich aus einem Spätburgunder ein feiner Weißherbst oder eben eine seicht-pappige Plörre erzeugen lässt, verhält es sich naheliegender Weise auch bei den prickelnden Varianten.

Ideal, geschmacksneutral, rosa

Ein Roséschäumer der Kategorie „überflüssiges“ ist der Brut Dargent Pinot Noir Rosé, erhältlich z.B. bei Kaufland. Kostet ca. 6 – 7,50 € und eine ausführlichere Degustationsbeschreibung erübrigt sich von selbst: Nichts. Es gibt einfach nichts, wonach er schmeckt. Pinot Noir? Ei wo denn? Na gut, Kohlensäure, andere Säuren, etwas Dosage und Alkohol. Aromenvielfalt, ein Hauch von Hefe und Brioche? Abgang? Fehlanzeige.
Es kommt nicht so oft vor, dass ich eine Flasche nicht leere, oder ihr zumindest eine zweite Chance nach ein paar Stunden oder am nächsten Tag gönne. Aber wo nichts ist…
Argentum non Olet!
– Wohlgemerkt, es gibt keinen schlechten Geschmack oder Ton, der einem den Genuss verdirbt. Der Dargent ist auch nicht fehlerhaft, aber es gibt einfach nichts, was hängenbleibt. Der „Quality Sparkling Wine“ aus Crançot im Französischen Jura, angeblich nach der Méthode Traditionelle hergestellt, kann nicht überzeugen, mich jedenfalls nicht.
Ausnahmsweise bitte ein Bier!

Ach ja übrigens, die Engländer machen mittlerweile mehr als nur passable Sparkling wines… ganz ehrlich! Tip: 2009 Camel Valley ‚Cornwall‘ Pinot Noir Rosé Brut, großes Gaumenkino… Recommended by Jancis Robinson, und von mir natürlich auch;-)

9 Kommentare

  1. Ich kann mir das Verkostungserlebnis lebhaft vorstellen. Hatte gestern selber so eines (und nicht zum ersten Mal) mit zwei der in Frankreich inzwischen in der vins naturels Szene so beliebten „vins à bulles“ – der erste Schluck erfrischt, wenn er gut gekühlt auf den Tisch kommt (wenn man ihn nicht, aus alter Gewohnheit, zu lange im Mund behält). Also runterkippen – wenn man nicht wenigstens den Vorteil der Kohlensäure verlieren will – aber da tät’s eigentlich Sprudel besser….und weh dem, der ihn, wie ich -nur bescheidene Säuferin – dann im Glas auch noch warm werden läßt…

  2. das wieder um, liebe Iris, will ich mir gar nicht vorstellen: Warmer Perlwein ohne „bulles“… 😉 Ich hol mir dann mal ein Saftschörlchen!
    Übrigens Weltklasse-BioChampagner, auch Rosé:
    Champagne Bruno Michel, Pierry…

  3. Hier stellt sich unmittelbar Mitleid mit dem Verkoster ein. Wäre ich in der Nähe, würde ich zum Trost einen Gosset Rose öffnen. Feiner Champagner für relativ kleines Geld. Der Celebris setzt noch einen drauf und spielt dann schon in der Champions League.
    Grüße
    Willi

  4. Sunny Sunny

    Ich würde gerne zu Ehren des Brut Dargent Pinot Noir eine Rückmeldung geben. Ich gebe allen Kritikern Recht, dass der 2009er nicht gelungen ist. Aber der 2008er war ein wahrer Genuss und wurde auf all unseren Festen und auch auf den Festen unserer Verwandtschaft und Bekanntschaft in großen Mengen genussvoll getrunken. Sehnsüchtig warten wir nun auf den 2010er. Ich werde diesem Jahrgang eine weitere Chance geben. Sollte dieser nicht an den 2008er herankommen müssen wir uns leider eine Alternative auswählen, das wäre sehr schade.
    Sunny

  5. Hallo Sunny, wir sprechen schon beide vom Rosé, oder? Den weißen hab ich vor ein paar Wochen ebenfalls mal wieder vorgesetzt bekommen und er hat mich ebenfalls nicht überzeugt, wenngleich auch nicht derart negativ „beeindruckt“, wie der Rosé. Im Bereich von 4-8 € Endverbraucherpreis habe ich gerade wieder auch auf den letzten Weinmessen einiges gesehen, was nicht nur charaktervoller war, sondern auch deutlich mehr Trinkspaß brachte. Darunter waren sowohl Cavas als auch Cremants von der Loire (gerade von dort), aus dem Elsass und aus dem Burgund…
    Aber vielleicht muss ich ihm ja doch noch eine Chance geben? 😉

  6. Da hat ja wirklich ein großartiger Kenner der Wein – u. Sektszene sein ebenfalls überflüssiges und selbstdarstellendes Gesülze in den Raum entsendet. Das Ganze ist doch wohl Geschmackssache. Dieses überhebliche und herablassende Gerede ist wohl das Einzige, das einem wirklich jeden Genuss verderben kann.

  7. Lieber Andreas, wer du auch sein magst… dir scheint mein alter Artikel vom 6. Juli 2011 ( !) ja so im Magen zu liegen, dass du dich derart über den Inhalt ereifern kannst.
    Hast du ihn ganz gelesen? Mein „selbstdarstellendes Gesülze“ bezog sich damals (2011) ausdrücklich und nur auf den Brut d‘Argent Pinot Noir Rosé von 2009. Falls dieser Schaumwein dein Liebling sein sollte, so ist das (d)eine Sache.
    Von wegen Geschmacksache lässt sich sicher einiges auch Gegensätzliche vertreten, in Sachen Qualität aber nicht. Ich habe im Laufe der Jahre etliche Schaumweine, Crémants und dergleichen verkostet und bilde mir zumindest ein, eine gewisse Qualitätseinschätzung abgeben zu können.
    Wenn du das als überflüssige Selbstdarstellung empfindest, so sei der Hinweis erlaubt, das ich in meinem eigenen Weinblog auch polarisierende Meinung schreiben kann und will und nicht alles toll finden muss, was die Fabrikanten so abliefern.
    Bei langweiliger Industieplörre erlaube ich mir, diese auch beim Namen zu nennen, hier sowieso. Wer den Brut d’Argent kaufen und trinken will, der soll das tun. Wer Rotkäppchen mag, soll ihn trinken. Mir egal. Es gibt auch Fans von Rhianna und Helene Fischer. Auch egal. Die Masse der Konsumenten macht das Produkt nicht besser. Fliegen essen auch Mist…
    Viele Grüße vom „großartigen Kenner der Wein- und Sektszene“,
    dein Weinanwalt.

  8. Weinmacher Weinmacher

    … es ist der pure Zufall, dass ich hier gelandet bin und die Kommentare quergelesen habe. Es erübrigt sich das zu vertiefen, von ernsthafter Begutachtung weit entfernt und damit offensichtlich auch von qualifizierter Kennerschaft den malträtierten Objekten gegenüber. Demzufolge auch von allem was mit Dieser Art der Weinbereitung zu tun hat.
    Wer sich mit diesen genannten Produkten befasst, sie verkostet und getrunken hat wird sich kaum zu Vergleichen hinreißen lassen – es kann sie nicht geben!

    Also, wie bereits geschrieben wurde: wer sie gerne trinkt, warum nicht! dabei an Spitzenprodukte zu denken schließt sich aus.

  9. Danke, Herr Viehoff, für Ihren von qualifizierter Kennerschaft sprühenden Kommentar zu einem Beitrag von 2011 zu einem Schaumwein von 2009… Ich habe in den letzten sechs Jahren nicht nur Prickelnderes in diversen Preiskategorien verkostet und getrunken, etwa jährlich beim Concours National des Crémants de France, als auch zum Thema Crémants aus dem Supermarkt gelesen. Und gewiss lassen sich viele Konsumenten zu Vergleichen hinreißen, eigentlich andauernd. Jeder Winzersekt wird mit irgendwie mit Champagnervergleichen beworben, jeder Crémant, jeder Cava. Lesen Sie einfach mal die Produktbeschreibungen bei XX Weinhändlern, ob online oder im stationären Fachhandel. Und möglicherweise stellt sich ja auch bei diesem – hoffentlich lägst ausgetrunkenen – 2009er Exemplar jemand vor, er tränke Champagner – darf er ja. Muss er aber nicht. Santé!

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