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Karlheinz Sack zum Spätfrost im Taubertal

Die Spätfröste in den Nächten vom 3. bis 5. Mai haben den Wein- und Obstbau in großen Teilen Deutschlands schwer getroffen. Nach Aussagen des Landwirtschaftsministers vom Baden-Württemberg, Alexander Bonde (Grüne) belaufen sich die Frostschäden in BW auf rund 25. Mio. Euro, davon ca. 15 Mio. im Weinbau. Es wird nun seitens der Politik wie auch von den Verbänden nach möglichen Hilfsmodellen gesucht; „unbürokratische Hilfe“ soll es geben, so hört man aus den verschiedenen Landesteilen, für mache nach dem eher schwachen 2010er Jahrgang nur ein kleiner Trost.

Wir hatten bei Winzern aus verschiedenen Regionen nachgefragt und bereits hier (Teil I) und hier (Teil II) ihre Antworten veröffentlicht. Uns ging es nicht um die Schilderung und Display von Betroffenheit, sondern darum, den Lesern und Weinfreunden eine Vorstellung von der Situation zu vermitteln, nicht nur in Sachen Frost, sondern auch in Bezug auf Hagelschäden und ähnliche Wettersituationen, die existenzbedrohende Einbußen für die Erzeuger bedeuten können.

Hier noch eine Antwort von Karlheinz Sack aus dem Taubertal, einer Region, die es besonders hart erwischt hatte.

Karlheinz Sack, Weingut Johann August Sack:

Danke für Ihre Mail vom 11. Mai! Das Interesse von Ihnen und weiten Bereichen der Bevölkerung an diesem großen Schadensereignis gibt uns Winzern Rückhalt und Ansporn, auch in Zukunft den Weinbau weiter zu betreiben. Meine Antwort hat sich leider etwas verspätet, da in den letzten Tagen einige Besprechungen mit den Weinbauverbänden und heute (13. Mai) mit Minister Bonde vom MLR stattgefunden haben.

Jetzt aber einige Fakten zu den Spätfrostschäden:
Das Besondere am Spätfrostschaden 2011 liegt darin, dass er nicht regional begrenzt ist, sondern viele Bereiche in Deutschland und Europa getroffen hat.
Bei uns im Weingut Sack liegt der Schadensumfang an den Jungen Trieben zwischen 80 und 100 %. Es gibt geringe Unterschiede die vor allem vom Standort- und der Hangexposition bestimmt sind. Bei den Rebsorten sind frühe Sorten wie Dornfelder, Zweigelt, Acolon und Spätburgunder bei den Rotweinsorten sowie Kerner, Bacchus, Müller-Thurgau und Weißer Burgunder bei den Weißweinsorten extrem betroffen (100 %). Ewas geringere Schäden (80 %) gibt es bei Silvaner und Schwarzriesling.
Das Genaue Ausmaß der Ertragseinbußen können wir erst in ca. 3 Wochen beurteilen, wenn Beiaugen und ruhende Augen austreiben. Wenn diese neuen Triebe einen Fruchtansatz haben, ist noch auf eine kleine Ernte 2011 zu hoffen. Es dürfen aber keine weiteren Faktoren auftreten, die den Ertrag schmälern. Zur Zeit bestehen jedoch große Bedenken im Bezug auf die anhaltende Trockenheit. Mitte Juni sende ich eine Mail zum tatsächlichen Schadensumfang.

Trockenheit spielt bei uns im Taubertal seit Jahren eine große Rolle. Wir haben in Lauda im Verlauf der Vegetationsperiode (Mai – Oktober) eine Niederschlagsmenge, die sich um die 300 mm/m2 bewegt. Ein Großteil der Niederschlagsmenge ist oft mit Starkregenereignissen verbunden, so dass ein Teil des Niederschlages für die Pflanzen nicht verfügbar ist. Wir haben auf Anlagen, die neu gepflanzt wurden eine Tröpfchenbewässerung installiert.

Thema Hagel: Zu Ihrer Frage mit den Hagelnetzen. Hagelschäden sind bei uns im Taubertal zum Glück relativ selten. Trotzdem beobachten wir die Entwicklung in diesem Bereich. Die Whailx-Schutznetze scheinen eine sehr interessante Entwicklung dazustellen. Neben dem Schutz vor Hagel bieten sie Vorteile bei Heftarbeiten und bieten einen deutlichen Schutz vor Fraßschäden. Die Materialkosten von ca. 14.000 €/ha sind jedoch recht hoch, so dass diese Technik nur für klassische Hagelgebiete von Interesse sein dürften.

[Nachtrag] Noch eine Anmerkung zu den Spätfrostschäden. Bei einigen Sorten und Lagen gab es „nur“ Teilschäden. Die jungen Triebe sind von der Triebspitze abwärts bis zum Ersten Geschein erfroren (siehe Bild  oben, Dornfelder). In diesem Fall bleibt vom jungen Trieb ein kleiner Rest stehen. Aus der Blattachse kommt es zum Austrieb von Geiztrieben. Der Weinberg wird dadurch schnell wieder grün, die Geiztriebe haben in der Regel jedoch einen sehr geringen Fruchtansatz. Bei den total erfrorenen Trieben (siehe Bild oben,Tauberschwarz) kommt es zu einem Austrieb der Beiaugen. Die Fruchtbarkeit der Beiaugen ist bei einigen Sorten recht gut, so dass hier noch mit einem geringen Ertrag gerechnet werden kann.

Mit freundlichem Gruß aus dem Taubertal

Karlheinz Sack

Zum Weingut Johann August Sack; Lauda

http://www.weingut-sack-lauda.de/
Weingut Johann August Sack
c/o E. Mahler GmbH & Co KG
Bahnhofstr. 30  |  D-97922 Lauda-Königshofen
Tel. 09343 6221-0  |  Fax: 09343 6221-30
E-Mail karlheinz.sack@mahler-lauda.de

Alle Weinbilder freundlicherweise vom Weingut Johann August Sack,
Rechte beachten!

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Der 2011er wird trotzdem ein Jahrhundertjahrgang!
Irgendwo… für irgendwas. Oder doch nicht?

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