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Church Road Viognier 2007

Church Road Hawke’s Bay Viognier 2007 Reserve

Unsere Agenten in Sachen Wein hatten mich kürzlich mit einem Viognier aus Neuseeland beglückt. Ich war etwas zwiegespalten, was  diesen Wein bzw. diese Rebsorte angeht, hatte ich doch schon auf unserer „Baccantus Tour Down Under“ so meine Erfahrungen gemacht. Aber der Reihe nach…

Ursprünge

Viognier gehört zu den Rebsorten, deren Herkunft nicht gänzlich geklärt ist und die Mitte der 1960er Jahre vom Aussterben bedroht waren. Angeblich nur noch 8 Hektar davon gab es zu diesem Zeitpunkt im nördlichen Rhônetal.

Die Ursprünge (so die gängigste Meinung) gehen – wen wundert’s – auf die Römer zurück. Sie brachten diese Rebsorte aller Wahrscheinlichkeit im 2. oder 3. Jahrhundert aus Dalmatien an die Rhône. Dort gilt sie als äußerst genügsam, da sie selbst auf kargen Böden gedeiht und ist dort für ihr üppiges Bouquet und die klaren Fruchtnoten und Floraltöne beliebt. Dieser Umstand hat ihr vor allem in der Neuen Weinwelt zu großer Beliebtheit verholfen. So gehört es zum guten Ton vieler Weingüter in den USA, Down Under und Neuseeland, einen Viognier im Angebot zu haben.

Das Kreuz mit dem Viognier & oder: der Viognier und ich

Viognier ist bei Leibe keine ertragreiche Sorte und zudem stark anfällig für echten Mehltau. Mengenreduktion zur Qualitätssteigerung tut Not, trotz ohnehin geringer Erträge. Am besten lässt sich die Rebsorte also als schwierig aber lohnend umschreiben.

Meine Erfahrungen in Australien mit dem Viognier waren meist von fruchtig- üppigen Bouquet mit floralen Tönen geprägt, das der Nase schmeichelte. Der Erstkontakt auf der Zunge hinterließ dann einen opulenten Eindruck von diversen Früchten über Pfirsich, Aprikose zu Mango.
Doch dann passierte mir jedes Mal das Gleiche:  Anstatt eines angenehmen Abgangs (gerne auch etwas länger/so mag ich es) schien jeder von mir in Down Under verkostete Viognier wie mit dem Skalpell seines Nachhalls beraubt.

So intensiv die ersten beiden Eindrücke in der Nase und im Mund jeweils waren, umso geradezu nicht existenter war jedes Mal aufs Neue der fehlende bleibende Eindruck.

Mit diesen doch eher als enttäuschend zu bezeichneten Erlebnissen im Hinterkopf, machte ich mich diesmal im kleinen Kreis von dreien meiner Freunde an die Verkostung. Sicher ist sicher, dachte ich mir…

Church Road Winery, Hawke’s Bay, NZ

Das Weingut Church Road auf der Nordinsel Neuseelands gehört zu den ältesten des Landes und geht auf eine Gründung des Luxemburgers Bartholomew Steinmetz zurück. Seit 1897 wird hier Wein angebaut und als Steinmetz 1920 zurück in die Heimat übersiedelte, ging das Weingut an den damals 19 jährigen Tom McDonald, der seit Kindertagen die rechte Hand von Steinmetz war.

Tom kaufte das Weingut an der Hawke’s Bay wenig später und konzentrierte sich darauf, Neuseelands erste qualitativ hochwertigen Rotweine, zu erzeugen.  Aus seiner Hand stammt auch der erste kommerzielle Cabernet Sauvignon Neuseelands, Jahrgang 1949.

Er starb 1976 und der Weinbau wurde bis 1981 weitergeführt. Nach einem Wechsel des Besitzers verfiel der Weinberg und erst 1989 begann der Weinbau hier erneut. Seit 1990 ist nun alles wieder auf hochwertigen Weinbau ausgerichtet und die diversen Preise und Medaillen für die Weine des Weinguts sprechen eine eindeutige Sprache.

Church Road Hawke’s Bay Viognier 2007 Reserve

„Vier Freunde sollt Ihr sein – zu trinken nur den besten Wein“ – So oder zumindest so ähnlich, lautete also das Motto, als wir uns ans Verkosten machten.

Die Flasche kommt, wie fast immer in Australien und Neuseeland, mit Schraubverschluss daher und nach dem Eingießen empfing uns eine leicht honiggoldene Flüssigkeit im Glas. Aus dieser stieg eine feine Nase von Nüssen und etwas mehligen Aromen, die uns gespannt auf den ersten Schluck machten.

Dort entfaltete er dann seine volle Pracht und kam mit getrockneten Aprikosen, Zitronengras, diversen Gewürznoten und einer zart salzigen Note daher. Das ganze von leicht erdigen Tönen ummantelt und somit rund und voll am Gaumen. Schluckte man ihn jedoch, so hörte er schlagartig auf zu wirken und ganze vier Kehlen waren sich einig: zu kurz.  Einer der Jungs meinte doch glatt: Große Klappe, nichts dahinter… von der in der offiziellen Beschreibung angepriesenen Nachgeschmack, der nur mit körperreichem Champagner zu vergleichen sei, war zumindest bei dieser Flasche bei weitem nichts zu spüren – vielleicht war es ja auch dem langen Luftweg geschuldet? 😉 Immerhin bekam der Wein unter anderen Auszeichnungen auch die „Air New Zealand Wine Awards 2009″…

Der Wein wird in alter Eiche ausgebaut und zu 25 % spontanvergoren, sowie teilweise mittels malolaktischer Gärung gewonnen. Die 14,5 % Alkohol sind Ihm nicht anzumerken und überraschen eher beim Blick auf das Etikett.

Ein schönes Trinkerlebnis mit allzu schnellem, fehlendem Ende…


Weiterführende Links

http://www.churchroad.co.nz/2/index2.html
http://www.churchroad.co.nz/2/awards/
http://www.churchroad.co.nz/2/findus/
http://de.wikipedia.org/wiki/Viognier

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