Zum Inhalt springen

Die TOUT BLANC-Tipps von TVINO

Ein Gastbeitrag zur Weinrallye von TVino

TVINO.de ist das innovativste und angesagteste Weinportal im Internet. In packenden Videos präsentiert Master Sommelier Hendrik Thoma spannende Weine, die wirklichen Weinspaß bringen. Und das so erfrischend unkonventionell und locker, wie Ihr es noch nie erlebt habt. Vor der Kamera tauchen da regelmäßig auch Tropfen auf, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen und für die das TVINO-Team starke Sympathie besitzt. Wie für die wenig bekannten Weißweine aus Frankreichs Südwesten und Süden.

Bordeaux Blanc & Co.

Wer bei Bordeaux immer nur Rotwein im Glas hat, verpasst was. Denn dort gedeihen tatsächlich herrliche Weißweine, und das sind nicht nur großpreisige Grands Crus aus Graves und Pessac-Léognan oder edelsüße Sauternes. Hinter so manchem normalen Bordeaux Blanc oder Entre-deux-Mers (die exklusive Weißwein-Appellation des Bordelais) verbirgt sich ein sehr eleganter, frischer, aromatischer und bisweilen auch vielschichtiger Tropfen.
Drei Rebsorten sind für den weißen Part zuständig: rassig-aromatischer Sauvignon Blanc, dessen Wildheit vom körperreichen Sémillon kongenial gezähmt wird, und manchmal gibt’s auch noch einen Schuss blumig-würzigen Muscadelle dazu (nicht zu verwechseln mit Muscat bzw. Muskateller).
Liebhabern origineller Schaumweine bietet Bordeaux den Crémant de Bordeaux (kennt kaum einer). Die weiße Version ist sympathisch und eher unkompliziert und darf aus Sémillon, Sauvignon Blanc und Muscadelle sowie höchsten 30% Ugni Blanc, Colombard, Merlot Blanc (ja, gibt’s) und Ondenc bestehen.

Bergerac Blanc & Co.

Wer sich für weißen Bordeaux interessiert, sollte sein Augenmerk unbedingt auf die östlichen Nachbargebiete richten, als da wären Bergerac, Montravel (sowie Côtes de Montravel und Haut-Montravel) und die etwas südlicher gelegene Appellation Côtes du Marmandais. Hier finden sich dieselben Rebsorten wie im Bordealais (Sauvignon Blanc, Sémillon, Muscadelle) und dieselben Weinstile (von trocken bis süß). Die Qualität kann sehr anständig sein, und die Preise sind deutlich netter als beim ungleich berühmteren Nachbar weiter westlich.

Gaillac

Eines der ältesten Weingebiete Frankreichs, das eine breitgefächerte Palette an weißen Spezialitäten bereit hält. Dafür steht mit der einheimischen Len de l’El eine Sorte bereit, die ausdrucksstarke, kraftvolle Weine mit frischen Zitrusnoten hervorbringt. Daneben gibt es noch Mauzac (Blanquette), Sémillon, Muscadelle und Ondenc. Neben spannenden trockenen Weinen sind vor allem die natursüßen Gaillac Doux einen Versuch Wert, ebenso wie der Perlwein Gaillac Mousseux Méthode Gaillaçoise oder der Schaumwein Gaillac Mousseux Méthode Deuxième Fermentation mit traditioneller Flaschengärung. Wer’s noch spezieller mag, sucht nach dem Vin de Voile (voile heißt Schleier), ein wie ein Vin jaune erzeugter, herrlich eigenwilliger Weißwein.

Côtes de Gascogne

Der Landwein der historischen Landschaft der Gascogne zwischen Garonne und den Pyrenäen ist immer einen Schluck wert, der zudem sehr preiswert ist. Hier herrscht die sympathische, blumig-fruchtige Colombard-Rebe, die für angenehm saftige und leichte Tropfen sorgt. Manchmal wird ihr noch ein Anteil Manseng, Sauvignon Blanc oder neutraler Ugni Blanc zur Seite gestellt.

Jurançon

Einer der prächtigsten Weißen des Südwestens gedeiht an den Ausläufern der Pyrenäen: der Jurançon, einst gern getrunkener Tropfen bei Feierlichkeiten des französischen Herrscherhauses. Der Wein ist süß und sehr verführerisch-faszinierend mit schöner exotischer Frucht. Dabei verzichtet er auf die Schwere eines Sauternes und ist mit einer guten Säure ausgestattet. Er wird aus bewundernswert eigenwilligen Sorten bereitet: Petit Manseng, Gros Manseng, Camaralet, Courbu und Lauzet lauten ihre Namen. Es gibt auch eine nicht ganz so spannende trockene Version, die dann Jurançon sec heißt.

Picpoul de Pinet

Viele Weißwein-Klassiker hat das Languedoc nicht zu bieten. Dies ist aber einer, und ein wirklich schöner, will heißen: eigenständiger, charaktervoller. Er ist frisch, leicht und spritzig, rassig, finessenreich und geradlinig. Kein lauter Wein mit Mega-Ego, sondern zurückhaltend und elegant. Es gibt wenig Weißweine, die so gut zu Meeresgetier passen, vor allem zu Austern ist er genial. Verantwortlich dafür ist die Rebsorte Picpoul (oder Piquepoul). Der Name bedeutet »Lippenstecher«, was auf den (glücklicherweise) spürbaren Säuregehalt hinweist. Denn der macht diesen südlichen Wein so erfrischend nördlich.

Limoux

Für die Freunde des Schäumenden hält das Languedoc einen der schönsten Crémants ganz Frankreichs bereit, den Crémant de Limoux. Wie alle Crémants ist her traditionelle Flaschengärung Pflicht. Rebsorten sind Mauzac (Blanquette), Chardonnay und Chenin Blanc. Beim ebenfalls traditionell vergorenen Blanquette de Limoux muss der Mauzac-Anteil 90% betragen. Abgefahren ist die Sonderversion »Blanquette de Limoux Méthode Ancestrale« nach einer fast 500 Jahre alten Methode. Der noch nicht fertig vergorene Wein wird in Flaschen gefüllt und darf dort dann weiter vor sich hingären, wobei das perlende Ergebnis mit einer leichten Trübung glänzt.

Und noch mehr Languedoc…

Im Languedoc tummeln sich viele Weißwein-Rebsorten, die allein oder in der Cuvée Lohnenswertes zustande bringen, meist klassifiziert als Vin de Pays oder Languedoc AOC (ist neu und ersetzt Coteaux du Languedoc). Neben den üblichen Verdächtigen Chardonnay und Sauvignon Blanc solltet Ihr Ausschau nach den von der Rhône eingewanderten Sorten Viognier, Roussanne und Marsanne halten, und nach Grenache Blanc. Auch Wein aus der aromatischen Rolle (möglicherweise mit Vermentino verwandt) und der spritzigen Picpoul ist lohnenswert, ebenso Cuvées aus der rassigen Bourboulenc und der kräftigen, würzigen Clairette Blanche. Hin und wieder tauchen Spezialitäten wie Grenache Gris, Carignan Blanc und Carignan Gris auf und leisten einen, wenn auch kleinen, Beitrag zur Weißwein-Vielfalt des Midi.

Rivesaltes

Das Roussillon hat zwei weiße Klassiker im Repertoire: der Rivesaltes und der Muscat de Rivesaltes. Während für letzteren nur zwei Muskateller-Varianten (Muscat à Petits Grains und Muscat d’Alexandrie) zum Einsatz kommen dürfen, sind für ersteren zusätzlich eine ganze Reihe von Rebsorten zugelassen: Grenache Blanc, Grenache Gris, Macabéo, Tourbat, Palomino, Grenache Noir, Carignan, Cinsaut und Syrah.
Es handelt sich um einen »Vin doux naturel«, bei dem die Gärung durch Zugabe von Alkohol gestoppt wird und die natürliche Traubensüße erhalten bleibt. Je nach Art der Vinifikation (Länge de Maischegärung, Ausbau im Fass usw.) variieren Farbe, Stil und Geschmack – in jeden Fall aber ein Wein von köstlich-markanter Persönlichkeit. Und wer’s wieder mal noch spezieller mag, greift zum würzigen Rivesaltes Rancio, der in Fässern reift, die der Sonne ausgesetzt werden.

Was wächst sonst noch Weißes im Roussillon?

Als Alternative zum Rivesaltes sollte die Appellation Maury nicht verschwiegen werden, die auch weißen Vin doux naturel hervorbringt, und auch einen Maury Racio aus sonnenbestrahlten Fässern. Dann gibt’s noch ab und zu interessante Weiße aus verschiedenen Muscat-Varianten sowie aus Grenache Blanc, Rolle, Tourbat, Bourboulenc, Clairette Blanche, Marsanne, Roussanne, Viognier und Picpoul.

La Provence…

Ist hauptsächlich Rotwein- und Rosé-Land, dennoch könnt Ihr durchaus Augen und Gläser für Weiße aufhalten. Vor allem interessant sind Tropfen aus Rolle und Grenache Blanc, manchmal gibt es auch Sémillon oder weiße Rhône-Sorten (Viognier, Marsanne, Roussanne).

Korsika nicht vergessen!

Auch hauptsächlich Rotweinland, hat aber dennoch mit Malvoisie (gemeint ist hier Vermentino, nicht Malvasia) und Muscat à Petit Grains was Köstliches in petto.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.