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Von Terroiristen, Extremisten und Sirtaki

Baccantus im Gespräch mit dem Winzer Sven Enderle vom Weingut Enderle-Moll in Baden

Baccantus: Hallo Sven, wir hatten ja bei Beats & Öxle in Freiburg mit Rainer Trüby und dem TVino-Team die Möglichkeit, dich, deinen Kollegen Florian Moll und ein paar von Euren Weinen kennenzulernen. Spannend allemal, aber sicher nichts für Jedermann, oder doch?

Sven Enderle: Grüß Euch Stefan und Matthias! Erstmal Danke für dieses Interview – ist eine Premiere. Beats & Öxle war ne klasse Veranstaltung für uns (special thanks to Rainer Trüby und Kat Fischer). Wir hatten die Möglichkeit, einem neuen und größeren Publikum uns und unsere Weine zu präsentieren, was denke ich sowohl in Freiburg als auch am nächsten Tag in Basel super gelungen ist. Von daher könnte man sagen, dass unsere Weine jedermann und -frau schmecken.Sven & Stefan
Aber das steht nicht im Fokus bei der Weinbergsarbeit und der Vinifizierung. Was heißen soll, dass wir nicht Wein für irgendjemand machen. Wir machen Wein für uns!

Baccantus: könnte man sagen, Ihr macht extreme bzw. Extremistenweine? Seid Ihr Terroiristen? Was bedeutet Terroir für Euch und die Arbeit in Keller und Böden?

Sven Enderle: Geile Frage!!! Ich fang mal beim Terroir an. Irgendwie mag ich diesen Begriff nicht. Viel zu viel wird hineininterpretiert, man könnte schon sagen, er wird kaputt geredet und doch ist er Alles! Ich würde mich nie als Weinmacher bezeichnen. Vielmehr als Jemand, der die Trauben, die mir das „Terroir“ schenkt , auf der Weinwerdung begleiten darf. Das hat für mich was mit Respekt zu tun. Die Arbeit in Keller und Weinberg ist sehr traditionell, vielleicht minimalistisch. Ob man das jetzt als extrem, extremistisch oder terroiristisch bezeichnen will, sollen andere entscheiden.


Baccantus: Biowein ist ja für Euch mehr als nur ein Label, das man auf die Flasche klebt. Was bedeutet Bio und Biodynamie für Euch und wie sieht die Umsetzung in Weinberg Keller aus?

Sven Enderle: Wir arbeiten ohne Herbizide und Kunstdünger, jedoch halten wir es uns frei, bei Peronospora-Befall einzugreifen. Ansonsten arbeiten wir komplett biologisch und das wohl am ehesten vergleichbar mit den Demeter-Richtlinien. Hier und da versuchen wir auch andere Wege zu gehen, z.B. arbeiten wir mit Brottrunk und anderen interessanten homöopathischen, bzw. pflanzlichen Mitteln.
Im Keller wird bei den Roten und den Weißen, die BSA (Biologischer Säureabbau) machen, ohne Schönung, Filtration oder Pumpen gearbeitet.
Bio oder Biodynamie mach ich für mich, da es der einzige Weg ist, wie ich Weinbau machen, ja leben möchte. Ob ich nun meine Spritzmittel rechts- oder linksrum anrühre oder abends um Sieben im Barrique-Keller Sirtaki tanze, ist meine Sache. Das Label brauch ich nicht. Man sollte nie „nie“ sagen, aber im Moment ist für mich die Bindung an einen Bioverband in weiter Ferne.

Baccantus: *lach* – hab mir gerade vorgestellt, wie du im Keller Sirtaki tanzt 🙂  Wie sieht bei Florian und Dir die Arbeitsteilung aus, wer macht was?

Sven Enderle: Die Weinbergsarbeit machen wir gemeinsam, obwohl ich eher die Maschinenarbeiten übernehme (Spritzen, Mähen, etc.) und Florian mehr die Handarbeiten, wie Ausdünnen, Heften, usw. Im Keller machen wir alles gemeinsam.

Baccantus: 1,8ha – das reicht sicher kaum zum Überleben. Wie Hobbywinzer kommt Ihr dennoch nicht rüber, warum tut man sich die Schinderei im Weingut & Keller dann an?

Sven Enderle: Ich sag mal so; ich bin fest davon überzeugt, dass wir beide von 1,8 ha leben könnten. Ob wir davon reich werden ist etwas anderes. Sicherlich ist es nicht einfach ohne Background – das heißt ohne bereits vorhandene Weinberge, Maschinen und Keller so etwas zu starten. Von daher ist der Beginn und die nächsten Jahre, bis alles mal in Bahnen läuft, das Schwerste. Bis dahin müssen wir beide noch einer anderen Arbeit nachgehen. Inwieweit wir uns vergrößern wird sich noch zeigen, Ich selbst wäre mit so 2 – 2,5 Hektar zufrieden. Ob man vielleicht Trauben zukauft, ist ein anderes Thema und wird die Zukunft zeigen. Und da unsere Lagen zu einem Großteil kaum mit dem Schlepper zu bewirtschaften sind, reicht mir die Arbeit momentan.
Als Hobbywinzer kann man uns auch nicht bezeichnen, vielmehr als Jungwinzer J. Wir haben zusammen die Winzerschulbank gedrückt und am Kaiserstuhl gelernt. Ich bei Bercher-Schmidt und Flo aufm Schambachhof. Hinterher ging es für mich in die Ortenau zu einem Biobetrieb und Florian ging nach Südfrankreich. Ein Jahr später kam dann der Start für Enderle-Moll, mit dem Jahrgang 2007. Als Schinderei würde ich das nicht gerade sehen. Es ist harte Arbeit und sicher nicht immer einfach. Aber es erfüllt und erdet. Und wenn das Endprodukt solchen Spaß macht, vergisst man die viele Maloche und Entbehrungen.

Baccantus: der Schwerpunkt liegt bei Euch auf dem Spätburgunder. Schon der Rosé ist ja alles andere als ein typischer Vertreter der „Spätburgunder Weißherbst“ -Fraktion…

Sven Enderle: Das stimmt. Spätburgunder ist die bestimmende Rebsorte bei uns, jedoch wird auch noch ein bissle Müller-Thurgau und Grauburgunder angebaut. Der Rosé war mehr ein Kind der Not, aber auch eine interessante Entdeckung für uns. Wir mussten ein Stück früher holen und dachten, lass uns nen Rosé draus machen. Zur intensiven Farbe muss man sagen, dass wir ne  Maischestandzeit machten, bevor wir ihn abgepresst und im Barrique spontan vergoren haben. Der Ertrag lag bei circa 25kg/Ar von einem 35 Jahre alten Rebstück. Was für einen Rosé sicher auch eher gering ist. Und mit deutschen Spätburgundern, haben unsere Weine eher weniger gemein. Von daher geht der Rosé auch in eine eher südfranzösische Stilistik.
Der Vater eines Bekannten meinte: „Des schmeckt jo wii Hanstribiliwie!“ (Johannesbeerwein). Auf jeden Fall grad mein Favorit!

Baccantus: Cassis kommt ja meistens gut an…  Pinot Noir und Barrique – ein Thema für Euch?

Sven Enderle: Absolut, jedoch muss es kein neues Barrique sein. Ich mag diese Holzbomben absolut nicht. Ein gutes einmal belegtes Fass, gefällt mir besser. Sehr interessant finde ich aber auch den Ausbau in Beton.

Baccantus: welche Weine faszinieren Euch außerhalb des eigenen Weinbergs? Was würdet Ihr noch gerne anbauen – mehr Pinot Noir oder auch andere, ältere Sorten? Gewürztraminer oder, Gutedel vielleicht?

Sven Enderle: Meine Vorlieben sind eindeutig Pinots aus dem Burgund, Rieslinge aus Deutschland und Veltliner. Ansonsten alles was Spaß macht, aber die genannten drei decken so ziemlich den größten Teil meines Kellers ab. Es gibt überall herausragende Weine zu entdecken, von daher wird die Zukunft noch einiges für mich offen halten. Vorbilder sind schwierig. Sehr beeindruckend und prägend für mich als Winzer waren Franz Schmidt und Claude Dugat. Es gäbe einige Interessante Sorten, die mir Spaß machen würden! Chenin Blanc, Riesling, etc. Aber ich denke mit den bisherigen Sorten passt das so! Bei einer Vergrößerung würde es denk ich auf Spätburgunder oder Müller rauslaufen.

Baccantus: in Südbaden / Kaiserstuhl ist ja ein Generationenwechsel im Gange, mit vielen neuen Ideen für Keller und Weinberg, gut ausgebildete Leute, teilweise mit langer Tradition. Spricht und diskutiert man untereinander? Wie sieht’s mit den Kollegen im Elsass aus? Dort sitzen ja auch etliche hochrangige Terroiristen 😉 – äh- Biowinzer wie Patrick Meyer von der Domaine Julien Meyer….

Sven Enderle: Ja, es gibt nen großen Umbruch in Baden. Was viel Gutes und auch Gegenteiliges hervorbringen wird. Aber ganz ehrlich, das interessiert mich kaum. Erstens kann ich es nicht beeinflussen und zweitens muss ich schauen, dass ich meine Dinge auf die Reihe bekomme. Der Austausch untereinander ist, was mich anbetrifft, eher gering. Klar hat man seine Winzerkollegen und hier und da gibt es Veranstaltungen, wo man sich trifft. Aber die meisten gehen Ihren eigenen Weg. Und das finde ich auch ok. Ich hab ja auch ein Leben neben dem Weinbau. Wenn denn mal Zeit dazu ist! Ich hab vielmehr mit Winzern anderer Anbaugebiete zu tun. Hervorheben will ich die Zusslins im Elsass. Ganz klasse Familie und spannende Weine.

Baccantus: noch ein Wort zum Weingut Bercher-Schmidt – auch ein gemeinsamer Bekannter…

Sven Enderle: Mit einem Wort wird’s da schwer. War ne tolle Zeit und für mich das ideale Terroir, um in die Weinwelt zu starten. Ein ganz ganz tolles Weingut, mit wunderbaren Menschen und Weinen! Ich hab Franz so viel zu verdanken, er ist ein ganz Großer.

Baccantus: Sven, wir danken dir für das nette Gespräch!

 

Kontakt zum Weingut Enderle-Moll:

http://www.enderle-moll.de

 

Ein Kommentar

  1. Süper!

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