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EXPOVINA – 56. Zürcher Weinausstellung vom 29.10. bis 12.11.2009 – ein Rückblick

EXPOVINA – 56. Zürcher Weinausstellung vom 29.10. bis 12.11.2009. Weine aus 23 Ländern auf 12 Schiffen am Bürkliplatz und ein Extraschiff für den Rioja…

Ein Ausflug vom Bodensee an den Zürisee an einem grauen regnerischen Tag im November. Da wir nur einen Tag Zeit für die EXPOVINA hatten, galt es, sich von den über 4000 Weinen aus allen bedeutenden Anbaugebieten der Welt, die zur Degustation angeboten wurden, auf einige zu konzentrieren, was wir nur bedingt durchhalten konnten.

Auf der wichtigsten Weinmesse der Schweiz sind Schweizer Weine traditionsgemäß gut vertreten. Für uns eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich vom hohen Niveau der einheimischen Gewächse zu überzeugen. Unterschiedlichste Klimabedingungen vom Thurgau über die Nordalpen, das Jura-Massiv bis ins Wallis bieten eine außerordentliche Vielfalt von Anbauregionen, Weinstilen, Weintypen und Traditionen.

Über 1200 Schweizer Weine wurden vorgestellt – natürlich zu viel für einen Degustationstag.

Mission Pinot

Das Angebot aus Übersee mussten wir teils ebenso schweren Herzens links liegen lassen, wie auch einige der großen europäischen Erzeuger. Hauptfokus: Pinot. Genauer – Pinot Noir. Und wer genau? Schweizer Pinot Noir bzw. Blauburgunder, wie er hier genannt wird.
Schweizer Pinot Noir ist bei vielen Weinliebhabern und Kennern beim nördlichen Nachbarn Deutschland noch recht unbekannt – zu unrecht, wie ich finde.

Graubünden | Bündner Herrschaft

Große Weine und Namen finden sich hier: Martha und Daniel Gantenbein, Georg Fromm, Hansruedi Adank – sicher einige der bekanntesten und international renommiertesten Winzer der Schweiz. Die Bündner Weinbauern am Alpenrhein profitieren im Herbst vom Einfluss des Föhns, der als „Traubenkocher“ den Beerenzuckergehalt steigert.

Cottinelli – Zunächst haben wir uns mit den Eigenprodukten von Cottinelli-Weinbau aus Malans beschäftigt und die einfacheren Pinots aus dem Stahltank verkostet. Allen gemein ist die sorgsame Handlese und Entrappung sowie die Vergärung und Ausbau in Edelstahltanks.Cottinelli - Eigenprodukte. Bild: Cottinelli

Ob nun direkt aus Malans oder aus Fläsch, Maienfeld oder Jenis, alle Weine zeigen eine schöne rubinrote Farbe und feine Duftigkeit ohne Bonbontöne.

Mir hat der Jeninser Blauburgunder mit seiner eleganten Art besonders gefallen.  Himbeeren und Erdbeeren, feine Gewürznoten ohne Aufdringlichkeit. Butterweich und angenehme Säurestruktur – nichts verdeckt die feinen Nuancen am Gaumen. Ein bezahlbares Trinkvergnügen!

Bischöfliche Domaine Chur  – Amedeo Primus Pinot Noir

Amadeo primus Pinot Noir - Cottinelli

Ebenfalls von Cottinelli, aus den besten Bischöflichen Reblagen in Zizers und Trimmis (bei Chur). Dieses Geschöpf kann den Barrique-Ausbau  in französischer Eiche nicht verheimlichen, wozu auch. Kräftige, dunkelrote Farbe. Kräftig auch in der Nase. Schwarze Johannisbeere, Brombeere und Holz. Tabaknoten und Vanille am Gaumen, richtig schön breit und kremig. Feine Säurestruktur und erstaunlich würziger Abgang. Mehr davon!

Fläsch AOC Gemswändler Pinot Noir, -VOLG Weinkellereien, Divino

Fläsch AOC Gemswändler Pinot Noir

es ist angerichtet!
es ist angerichtet!

Volg – Trotz Ausbau im Edelstahltank erstaunlich dunkles Rubinrot. Nase: Fruchtig würzige rote Beeren, überreife schwarze Kirschen. Samtig weich am Gaumen, trotzdem aromatisch und kräftig im Abgang.

Immer wieder interessant, wie unterschiedlich sich der Edelstahl- bzw. Barrique-Ausbau auf den Pinot auswirkt!

Ein Ort weiter, gleicher Winzer, aber diesmal im Holzfass:

Malans AOC Pinot Noir Barrique2008 -VOLG Weinkellereien

Unergründlich dichtes Rubin, Dörrobst, Plaumen. Auch schärflich-würziges kommt daher, Nelken und dunkle Beeren. Überhaupt sehr würziger und dabei runder Gesamteindruck am Gaumen, angenehme Röstnoten – ein Vergnügen!

Malans AOC Pinot Noir Barrique 08
Malans AOC Pinot Noir Barrique 08

Doch es geht noch „fetter“ bei den VOLG Weinkellereien:

Ostschweizer Strohwein Barrique 2005 – VOLG Weinkellereien

Ein Strohwein aus dem Thurgau aus vollreifen, gesunden Pinot Noir Trauben. Nicht jedes Jahr reicht die Qualität für einen Strohwein aus, 2009 könnte wieder ein „Strohjahr“ werden. Viel Handarbeit und ständige Kontrolle der Beeren auf dem Strohbett bei radikaler Auslese machen diese Spezialität zu einer seltenen Kostbarkeit. (der 2005er ist fast ausgetrunken).

Leider ist die Methode der Beerentrocknung, die auch im französischen Jura und aus anderen Europäischen Gebieten bekannt ist, in Deutschand verboten. Maischeerhitzung ist aber erlaubt. Keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat. #fail!

Wir waren jedenfalls hell auf begeistert.

Strohwein Ostschweiz Barrique 05
Strohwein Ostschweiz Barrique 05

Dichtes, fast schwarzes Rubinrot, konzentrierter Brombeerduft, gedörrte Backpflaumen und Gewürznelken ohne jede marmeladige Klebrigkeit. Unglaublich warme, samtige Konzentriertheit der Aromen am Gaumen, man kann nur staunen. Wer die Chance hat, einen solchen Pinot Noir-Strohwein zu kosten, der möge dies unbedingt tun und mir am besten gleich eine Flasche vorbeischicken!

Wallis

Die Gemeinde Salgesch/Salquenen liegt im Wallis bei Leuk. Hier an der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch baut Adrian Mathier seine Weine an, einer der renommiertesten und höchstdekorierten Winzer der Schweiz.

Ambassadeur des Domaines Adrian Mathierambassadeur mathier pinot

Der Ambassadeur ist ein Radikaler. Nur 500g Lesegut pro Quadratmeter Rebfläche, mind. 96° Öchsle und kürzeste Wege von der Rebe ins Fass, wo er für 13 Monate im neuen, französischen Barrique bleibt. Pürierte vollreife Erdbeeren, etwas Kirsche, angenehme Röstaromen. Ein echter Gaumenschmeichler mit allerfeinsten Tanninen und mit frischem, vollem Abgang.

Les Pyramides – Pinot Noir Réserve de Salquenen, integrierter Anbau – Adrian Mathier

Diesmal wieder Edelstahltank, aber ebenfalls mit viel Handarbeit und radikaler Selektion. Ein Bilderbuch-Pinot Noir mit dem typischen roten Kirscharoma und hohem Wiedererkennungswert. Gaumenglück ohne Barrique.Pinot Noir Réserve de Salquenen

Zwischenfazit | Expovina09 Teil I

Ob Wallis, Thurgau oder Graubünden, die Pinots aus der Schweiz sind beachtlich. Die Preise sind es auf den ersten Blick auch. Insbesondere bei derart radikaler Mengenreduktion wie sie Adrian Mathier betreibt ist dies jedoch verständlich: geringe Produktionsmengen bei hoher Nachfrage ergeben ansehnliche Preise, die jedoch nicht überteuert erscheinen, insbesondere dann, wenn man die teils wirklich unverständlichen Preise aus dem Burgund betrachtet.

Im Zweiten Teil von der Expovina schauen wir mit kurzem Zwischenstop in Osteuropa nach Südtirol.

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